Achtung: Infektionsgefahr Mythologie
Achtung: Infektionsgefahr Mythologie
Engagierte Hinterfrager großer Menschheitsrätsel gesucht
Manchmal infiziert man sich mit den seltsamsten Sachen. Mich hat es im Herbst 2003 erwischt. Die typischen Komplikationen blieben aus, aber sonst war der Verlauf genau wie man es sich so vorstellt: Tollen Vortrag im Rahmen des "Studium universale" gehört zum Thema "mythische Tiere", spannende Diskussion im Anschluss fortgesetzt, sich danach vom Vortragenden zum Besuch des Stammtisches überreden lassen und - schwupps!, schon bin ich ehrenhaft geworbenes Mitglied. Seitdem gehöre ich offiziell zum Arbeitskreis für vergleichende Mythologie.
Natürlich bedarf das Thema Mythos einer längeren Inkubationszeit, aber eine Ansteckung mit allen Symptomen der Neugier lässt sich während des Studiums nur schwer vermeiden. Neben Seminaren zu Narziss und Medea, Kunstmärchen oder Mythen der Gründerzeit stolpert man bei fast allen wichtigen Autoren und Gattungen über die verschiedensten Bewohner des Olymp.
Wirklich spannend wird es allerdings, wenn Motive völker- und gattungsübergreifend auftauchen und z.B. christlich umgedeutet in den mittelalterlichen Bibelerläuterungen erscheinen.
Dass mythologische Fragestellungen auch im gegenwärtigen Alltag besonders aktuell sind, zeigt ein kurzer Blick auf den Buchmarkt oder das Kinoprogramm, denn ohne den Bilderfundus der griechischen Mythologie ist die europäische Kultur nur schwer denkbar. Was wären denn z.B. Botticelli ohne seine Venus oder Freud ohne den Ödipuskomplex? Was bzw. wie wäre überhaupt das Abendland heute, ohne seine mythologischen Wurzeln?
Wem diese erkenntnistheoretische Fragerei schon im Grundstudium zu unübersichtlich wird oder wer schon immer mal wissen wollte, was Herakles, Christus und Spiderman gemeinsam haben, der sollte nachgrübeln und sich in C. G. Jungs Archetypenlehre versenken, oder in der Literaturgeschichte nach einem leitmotivischen roten Faden suchen. Oder, noch besser, dem Arbeitskreis für Vergleichenden Mythologie beitreten.
Um dessen Kernthemen, die gemeinsamen Wurzeln der großen Religionen und Mythologien, drehen sich die jeweiligen Jahresthemen. 2006 steht Feuer und Wasser -Sinnbild für Schöpfung und Vergehen in Mythos und Literatur- auf dem Programm. Neben Bildervorträgen sind Lyriklesungen und Diskussionsrunden in verschiedenen Bibliotheken und im Haus des Buches geplant.
Also, Studenten aller Disziplinen: Vereinigt euch! Am besten bei uns ... zu spannenden Vorträgen und anschließenden gemütlichen Gesprächen in diversen Kneipen. Hier kommt man ganz zwanglos mit den anderen Mitgliedern ins Erzählen: Schriftstellern, Wissenschaftlern, Lektoren und Journalisten... Neben amüsanten Anekdoten in privater Runde werden auch Szenetipps und Lebenserfahrungen ausgetauscht. Besonders als Germanist lohnt es sich, genau hinzuhören, wenn Autoren und Dozenten aus dem Alltagspraxisnähkästchen plaudern.
Bei der Gründung des Arbeitskreises 1995 spielte übrigens unsere aller "Alma Mater Lipsiensis" eine nicht ganz unwichtige Rolle. Dr. Tetzner, ehemals Dozent an der Universität und nun Vorsitzender des Vereins (rein äußerlich einem allmählich versilberndem Odin nicht unähnlich), legte im Anschluss an ein sehr erfolgreiches Seminar über germanische Mythologie den Grundstein für weitere Aktivitäten. Gleichgesinnte, z.B. Prof. Schuppener, Prof. Schenkel, seit kurzer Zeit auch Prof. Schmid, dazu ein Übersetzer, Philologen, eine Chemikerin und sogar ein Geotechniker sorgen mittlerweile für einen vielseitigen und abwechslungsreichen Themenfundus.
Von den etwa 30 Mitgliedern kenne ich nach 2 Jahren zwar immer noch nicht alle,
aber das liegt vermutlich daran, dass sie u.a. in Singapur, Island,
Dänemark und Wien zu Hause sind.
Das Credo des Vereins ist simpel: Eine interessierte Öffentlichkeit
zu erreichen und damit den freiwillig angenommenen Bildungsauftrag
zu unterstützen. Wer sich von den Mitgliedern berufen fühlt,
zum aktuellen Jahresthema etwas beizusteuern, ist herzlich aufgefordert,
dies im Rahmen von Vorträgen oder Lesungen zu tun, eine Möglichkeit
zur schriftlichen Veröffentlichung besteht in der
hauseigenen Schriftenreihe.
Da die disziplinübergreifende Themenvielfalt des Vereins vom Engagement der Mitglieder und eingeladenen Gastdozenten lebt, ist das Interesse an Neuzugängen und einer Verjüngung des durchschnittlich herbst- und winterlichen Publikums natürlich groß.
Also, wer bis zu dieser Stelle noch nicht gemerkt haben sollte, dass dieser Artikel einzig und allein auf Mitgliederwerbung abzielt, dem sei gesagt: Für nur 10 EUR Jahresbeitrag bist auch du dabei!