Vom förderlichen Miteinander

Vom förderlichen Miteinander profunder Wissenschaft und phantasiereicher Literatur - die Verlagswelt der edition vulcanus

„Ein Bücherschatz ist wie ein geistiger Baum, der Bestand hat und seine köstlichen Früchte spendet von Jahr zu Jahr …“ – dieser Aphorismus des schottischen Philosophen und Publizisten Thomas Carlyle könnte über dem Verzeichnis der Veröffentlichungen des Arbeitskreises für Vergleichende Mythologie stehen. Es dauerte gerade einmal zwei Jahre, bis nach der Gründung des Vereins aus seinem geistigen Baum der vom Vorsitzenden Reiner Tetzner und Georg Schuppener gemeinsam herausgegebene erste Band der Schriftenreihe mit dem Titel „Kultur und Mythos“ 1997 hervorspross.  Allein dieser Band schon offenbarte die Breite und Vielschichtigkeit der vom Arbeitskreis aufgegriffenen Themen, reicht doch die Palette der hier behandelten Stoffe von der griechischen, germanischen, keltischen und indischen Mythologie immerhin bis Sigmund Freud, dem Vater der Psychoanalyse. Die beiden 1998 und 1999 erschienen Bände 2 und 3 diser Schriftenreihe – „Glaube und Mythos“ und „Frauen und Mythos“ – sind in ihren Beiträgen nicht weniger fundiert und vielseitig, wie auch die sich einer brisanten Materie zuwendende Veröffentlichung „Kann man Unglauben tolerieren?“ (2011) des Ethnologen Bernhard Streck oder die Essaysammlung „Tolkiens Zauberbaum“ (2003) des Anglisten und Schriftstellers Elmar Schenkel neue, orginelle Akzente setzen. Bemerkenswert, dass aus den ersten Bänden so manche, vor allem auch von dem Schriftsteller Volker Ebersbach stammende Essays und Aufsätze in die Reihe „Sonderdrucke“ übernommen wurden. Ein Glanzpunkt darin ebenso die Veröffentlichung des 1999 in einer Veranstaltung des Arbeitskreises gehaltenen Vortrags „Schöpfungsvorstellungen im Islam“ der Orientalistin Annemarie Schimmel, die vier Jahre zuvor mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bedacht worden war.

Dass der Arbeitskreis in seinen Publikationen den Geschehnissen unserer Zeit wahrhaftig nicht fernsteht, belegen die in dem 2003 gegründeten Verlag edition vulcanus 2004 und 2009 erschienenen dokumentarischen Bänden Reiner Tetzners zu den Ereignissen der Friedlichen Revolution. In den beiden Büchern „Leipziger Ring. Aufzeichnungen eines Montagsdemonstranten“ und „Kerzen-Montage verändern die Welt. Warum die Waffen wirklich schwiegen“ lässt der Schriftsteller die Tage des Volkszorns gegen das Ancien régime der SED miterleben. Wobei er in den „Kerzen-Montagen“ en détail beschreibt, wie „das perfekteste Sicherheits- und Überwachungssystem aller Zeiten fast lautlos zusammenbrach“.

Aus literarisch-mythologischer Sicht entwirft der Schriftsteller Günter Gentsch in seiner unter dem sarkatischen Motto „Ein Urteil lässt sich widerlegen, aber ein Vorteil nie“ stehenden 2010 edierten Erzählung „Im Zwielicht der Dämmerung“ dramatische Szenen eines von Intoleranz und Rassismus ergriffenen Kleinstädtchens. Und die von Günter Gentsch, Christoph Sorger und Reiner Tetzner 2014 zusammengestellte Anthologie „Vom Janusgesicht des Menschen. Texte zu Krieg und Freiden von der Antike bis zur Gegenwart“ erwuchs aus dem Gedenken an den Ausbruch des 1. Weltkriegs vor einem Jahrhundert. Ihre Beiträge lassen die einst von Stefan Zweig geäußerte Hoffnung durchschimmern: „Es muß einer den Frieden beginnen wie einer den Krieg“.

Selbst das Wirken von Naturgewalten hält Eingang in unsere Veröffentlichungen. Als 2010 auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull mit seinem Ascheregen weithin Bedrohungen erzeugte, reagierte die „edition vulcanus“ sogleich mit dem von Elmar Schenkel und Reiner Tetzner edierten Band „Im Zeichen der Feuerberge“. Elmar Schenkel gebührt auch zusammen mit Claudia Roch und Georg Schuppener das Verdienst an der 2011 zum Geburtstagsjubiläum Reiner Tetzners herausgekommenen Laudatio mit dem mittelhochdeutschen Namen „wunders vil“, zu der nicht weniger als sechszehn Autorinnen und Autoren beigetragen haben.

In gleicher Weise legen Veröffentlichungen wie die Sammlung von Sprüchen, Aphorismen und Notizen Elmar Schenkels unter dem Titel „Befragung der Schwalben“, die mehrere Genres zusammenfassenden Bände von Erich Ahrndt („Spiegelungen“) und Maren Uhlig („Blaue Stimmen, rote Zungen“) und auch die von Günter Gentsch, Reiner Tetzner und Maren Uhlig2013 herausgegebene Anthologie „Mythos Kind“ Zeugnis ab von der Leistung des Verlags, die mit immerhin schon stattlichen sechszehnundzwanzig Veröffentlichungen den Lesern der Zutritt in die weite Welt der Mythen eröffnet hat. […]“

Günter Gentsch

QUelle: „Kleine Festschrift. 20 Jahre Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie e. V.“ (edition Vulcanus, 2015).