Trommeln, Ahnen und Fischgeister – Der MYTHO-Blog auf Zeitreise im Mesolithikum

„In welcher Welt ist mehr Leben, in der Ober- oder Unterwelt? Genau gleichviel.“ (aus einer Erzählung der Tschuktschen nach Wladimir Bogoras, 1925)

Geheimnisvoll wirkt das durch eine Geweihmaske verhüllte Gesicht. Auf den zweiten Blick funkeln blaue Augen auf die Besucherinnen und Besucher nieder, welche dieser Tag das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) aufsuchen. „Seid ihr bereit?“, scheinen sie zu fragen. Bereit, eine besondere Zeitreise anzutreten? „Die Schamanin“ nennt sich die vom 27. März bis 7. Februar 2027 dauernde Sonderausstellung. Und die von Karol Schauer 2004 angefertigte zeichnerische Rekonstruktion der Namensgeberin in Gestalt der Schamanin von Bad Dürrenberg, deren Bild an der Außenfassade des Gebäudes prangt, ist nicht nur historisch, ethnologisch und naturwissenschaftlich Programm, sondern führt in einen Kosmos, der aus Sicht unserer hyper-technologisierten Zeit kaum greifbar und vielleicht auch begreifbar scheint. Lassen wir es dennoch auf einen Versuch ankommen.

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Nordischer Schamanismus

„Wollte Odin seine Gestalt wechseln, dann lag sein Körper wie schlafend oder tot da, er selbst aber war ein Vogel, ein wildes Tier, ein Fisch oder eine Schlange“. (Snorri Sturluson: Heimskringla)

Der germanische Zauberer

Vermeintlicher Forschungsstand ist freilich, dass den nordisch-germanischen Völkern so etwas wie „Schamanismus“ weitestgehend fremd war. Allenfalls ein paar „Spuren“ (Buchholz) oder „Züge“ (Lichtenberger), die „seltsam schamanisch“ (Eliade) bzw. „schamanoid“ (Simek) seien, ließen sich in der nordischen Mythologie finden. In meinem Buch Schamanismus bei den Germanen vertrete ich die gegenteilige Position, dass nämlich die nordisch-germanische Kultur und Religion ganz wesentlich vom Schamanentum gekennzeichnet und geprägt war.

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Schamanismus bei den Tlingit in Südostalaska

Der Schamanismus war ein wichtiger Bestandteil des Lebens der Tlingit im Südosten Alaskas. Jeder Clan hatte seinen eigenen Schamanen, der als (Ver-)Mittler zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt diente. Sowohl Männer als auch Frauen konnten Schamanen werden. Die Eignung dazu konnte sich bereits in einem frühen Alter zeigen. Manchmal zwang man sogar Personen, gegen ihren Wunsch Schamane zu werden, weil sie eine zufällige Begegnung mit einem Geist gehabt hatten. Eine Berufung konnte nicht zurückgewiesen werden, da dies Krankheit oder Tod zur Folge hatte. 

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