„von golde ein rütelin“ – Über die Wünschelrute

Liebe Leserinnen und Leser des MYTHO-Blogs,

ein weiteres Jahr findet seinen Abschluss, und obwohl es in der Welt alles andere als zauberhaft zuging und weiterhin zugeht, hat sich der Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie dennoch daran versucht, „sich der Magie [zu] ergeben“. Und so haben wir diese, verstanden als eine durch rituelle Handlungen und vor allem durch geheimes Wissen bewirkte Beeinflussung von Mensch, Natur und Kosmos, im ethnologischen, historischen, kulturellen, archäologischen, philosophischen und literarischen Kontext zu ergründen versucht.

„„von golde ein rütelin“ – Über die Wünschelrute“ weiterlesen

Weihnachten? Ohne mich!

Ein Interview mit dem Weihnachsmuffel Prof. Dr. Joachim Schwend

Was nervt dich an Weihnachten am meisten?

Es ist vor allem der Konsumterror und der Trubel, der in den Wochen lange vor Weihnachten schon herrscht. Überall mehr oder weniger hässlicher Weihnachtsschmuck, Weihnachtsmänner, das ewig gleiche Gedudel in den Geschäften, zu viele Menschen auf kleinem Raum und dann noch mit Nikolausmütze und immer viel Glühwein.

„Weihnachten? Ohne mich!“ weiterlesen

Der Detektiv und der Philosoph

Kaum jemand ahnt, dass die Sherlock Holmes Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle voller Anspielungen sind – zu sehr ist man durch die Spannung und die Figur des Detektivs und seines Adlatus Dr. Watson abgelenkt. Doch auch Nietzsche hat in diesen Geschichten seine Visitenkarte hinterlassen. Seit 1886 wandte der erfolglose Augenarzt Doyle seine neue Rezeptur an, die er während leerer Praxisstunden zu Papier brachte. Er erfand, mit Hilfe von Vorbildern wie Poes Dupin, den distanzierten, desillusionierten und zugleich so genauen Beobachter als Detektiv, den Pfeifenraucher und Rationalisten mit Rauschgiftneigung und einer Vorliebe für Richard Wagner, den Inbegriff des englischen Gentleman, kurz: er erfand Sherlock Holmes.

„Der Detektiv und der Philosoph“ weiterlesen

Nordischer Schamanismus

„Wollte Odin seine Gestalt wechseln, dann lag sein Körper wie schlafend oder tot da, er selbst aber war ein Vogel, ein wildes Tier, ein Fisch oder eine Schlange“. (Snorri Sturluson: Heimskringla)

Der germanische Zauberer

Vermeintlicher Forschungsstand ist freilich, dass den nordisch-germanischen Völkern so etwas wie „Schamanismus“ weitestgehend fremd war. Allenfalls ein paar „Spuren“ (Buchholz) oder „Züge“ (Lichtenberger), die „seltsam schamanisch“ (Eliade) bzw. „schamanoid“ (Simek) seien, ließen sich in der nordischen Mythologie finden. In meinem Buch Schamanismus bei den Germanen vertrete ich die gegenteilige Position, dass nämlich die nordisch-germanische Kultur und Religion ganz wesentlich vom Schamanentum gekennzeichnet und geprägt war.

„Nordischer Schamanismus“ weiterlesen

Zum Ende der Welt: Eine Reise auf dem südlichen Peloponnes – Kapitel 7: Taygetos

Aus Richtung Gythio kommend, durchquerten wir eine kleine Ortschaft am Fuße des Gebirges. Ein Dutzend Häuser links und rechts der Straße, an einem Abzweig ein größeres Anwesen, ein Wohnhaus mit Nebengebäuden und einem Innenhof. Aus dem Hof rief uns ein Mann an, der dort gesessen hatte. Auf die Frage, wohin wir gingen, antworteten wir wahrheitsgemäß: Auf die andere Seite des Gebirges, nach Kardamili. Ungläubiges Erstaunen war die Reaktion. Eine schwarz gekleidete alte Frau bekreuzigte sich. Man bat uns in den Hof, ließ uns Platz nehmen und eine zweite, an einem Stock sich nur mühsam vorwärts bewegende uralte Frau schlurfte ins Haus, um uns Kaffee zu kochen. Der Mann sprach ein wenig Deutsch. Er habe, so erzählte er uns, vor längerer Zeit in München gearbeitet, im Restaurant eines Bekannten. Er versuchte uns von unserem Vorhaben abzubringen, verstand nicht, warum wir nicht mit einem Auto fuhren. Als er begriff, dass es zwecklos war, beschwor er uns, wenigstens die Straße zum nächsten Ort zu nehmen, nicht auf dem Wanderweg zu gehen, der nicht der kürzeste Weg sei. Da dieser Weg direkt hinter seinem Gehöft abzweigte, blieb uns nichts übrig, als vorläufig tatsächlich weiter auf der Straße zu gehen. Wir brachten es nicht fertig, den wohlmeinenden Rat der Leute auszuschlagen.

„Zum Ende der Welt: Eine Reise auf dem südlichen Peloponnes – Kapitel 7: Taygetos“ weiterlesen