Literarisches Schreiben aus einer sterbenden Sprache heraus bedeutet an der Schwelle des Verstummens zu handeln, es verbindet den Verlust einer bedrohten Muttersprache mit der dominierenden Mehrheitssprache, in welcher Schriftsteller und Schriftstellerinnen zunehmend publizieren. Dabei hallt die Erstsprache in der Tiefenstruktur der literarischen Texte nach, kommt es zudem auch zu einem Vermischen von Kultur-Codes. Das Schreiben gerät auf diese Weise zu einer Art Festhalten an einer bedrohten Kulturwelt, um diese vor dem Vergessen zu bewahren. Dabei gerät das Schreiben über den Verlust an die Stelle des Schreibens in der Sprache selbst. Diesbezüglich weist das Sorbische im Kontext der deutschsprachigen Mehrheit eine Entwicklung auf, die von der einst noch existierenden sorbischen Einsprachigkeit über die sorbisch-deutsche Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit zu einer zunehmend deutschen Einsprachigkeit führt.
„Vom Mythos der Einsprachigkeit Teil 2 – Mehrsprachigkeit als Anfang vom Ende. Vom Schreiben aus einer sterbenden Sprache heraus“ weiterlesen
