Ein Reisender ist zu Gast in einem prächtigen Anwesen. Er trifft auf einen alten Mann und fragt diesen, ob er dort übernachten dürfe. Der Alte antwortet ihm, er möge dessen Vater fragen. Dieser verweist ihn auf seinen Vater und der wiederum auf seinen Vater. Letztendlich kommt der Reisende zum letzten Vater in der Reihe, dessen Erscheinung so schaurig ist, dass sie ihm einen gehörigen Schrecken einjagt.
„Märchenhaftes aus dem hohen Norden – Mit Espen Aschenbengel im Land der Trolle. 30 norwegische Volksmärchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe“ weiterlesenDie „Mittagsfrau“: Göttin, Sagengestalt, Schreckgespenst oder Horrorfigur
„Eine großgewachsene, knochige, weißgekleidete Frau mit einer scharfen Sichel, striff an sonnigheißen Sommertagen des Mittags zwischen 12 und 14 Uhr über die Felder. Diese Gestalt wurde von den Sorben/Wenden „die Mittagsfrau“ genannt. Sie hatte es besonders auf die Leute abgesehen, die während der Mittagsruhe auf dem Feld arbeiteten. Erwischte die Mittagsfrau jene Person, so konnte sich diese nur retten, indem sie eine Stunde lang über Flachsanbau, Flachsernte und Flachsverarbeitung erzählen konnte. Wehe dem, dem dies nicht gelang, der verwirkte sein Leben“.
„Die „Mittagsfrau“: Göttin, Sagengestalt, Schreckgespenst oder Horrorfigur“ weiterlesenBegegnung mit der Schlangenkönigin – alte und neue Sagen in Slowenien
Auf einer Reise durch den Westen Sloweniens begegnete mir ein schönes Beispiel für die These, dass unsere Sagenwelt oft aufs Engste verbunden ist mit der Landschaft, aus der sie hervorgeht.
Am Rand des slowenischen Triglau-Nationalparkes liegt nahe dem viel fotografierten Bleder See die Vintgar-Klamm. Das Wasser des Flusses Radovna hat hier Steilwände geschaffen, die bis zu 300 Meter hoch sind. Auf einem Pfad durch den Wald entlang des Westkamms findet der Wanderer eine Informationstafel, die die Sage von einer weißen Schlange erzählt:
„Begegnung mit der Schlangenkönigin – alte und neue Sagen in Slowenien“ weiterlesenMystisches Sardinien – Der Fussabdruck Gottes (S’Imprenta de Déus)
Der Gründungsmythos der Insel
Sehr lange währte die Abgeschiedenheit der heute im Zuge der italienischen Einigung von 1860/61 zu Italien gehörenden Sardinien. Sie bestimmt viele Eigenheiten der Geschichte, Kulturgeschichte und sprachlichen Entwicklung dieser Mittelmeerinsel. Die weitreichende Isolation ist zweifelsohne ein Grund dafür, dass die reiche, weit in vorchristliche Zeiten reichende Mythologie Sardiniens mit ihren Narrativen, Volksriten und Bräuchen überleben und bis heute eine maßgebliche Rolle in der sardischen Geschichte, Literatur und Kultur spielt. Die Entstehungsgeschichte wie auch die Namensgeschichte Sardiniens ist untrennbar mit den Mythologien unterschiedlicher Völkerschaften und Kulturen verbundenen, deren geheimnisvoller Ursprung oft bis heute ungeklärt geblieben ist.
„Mystisches Sardinien – Der Fussabdruck Gottes (S’Imprenta de Déus)“ weiterlesenSchattenlinien in die Gegenwart: Über Joseph Conrad
Joseph Conrad starb vor 100 Jahren, im selben Jahr wie Kafka. Sie könnten sich sogar 1914 am Berliner Anhalter Bahnhof begegnet sein. Welten liegen sie auseinander, Parallelen wird man dennoch finden: Schuld und Angst, die Ankunft des Totalitarismus, die unüberschaubare Welt – auch wenn Conrad seine Figuren auf einem globalen Maßstab zwischen Asien, Europa, Afrika und Amerika ansiedelt. Conrads Werk hat zudem starke mythische Bezüge: der scheiternde Held, das Labyrinth der menschlichen Beziehungen und malayischen Archipele, Verwandlung, Vergötterung und Verrat. Wir bringen zu seinem 100. Todestag am 3. August einen Essay, den Elmar Schenkel schon zu seinem 150. Geburtstag im Jahr 2007 geschrieben hat. Ersichtlich wird, wie hellsichtig Conrad Themen vorweggenommen hat, die uns heute endlos beschäftigen: (Post)Kolonialismus und das Verhältnis Russlands zum Westen.
„Schattenlinien in die Gegenwart: Über Joseph Conrad“ weiterlesen
