Neuhausen bei Seiffen im Erzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, kann sich mit Recht die Hauptstadt der Nussknacker nennen. Dort gibt es die größte Sammlung von Nussknackern weltweit, fast 5000 Stücke von den italienischen Frühzeiten bis zu Hillary Clinton. Begrüßt wird man von dem größten Nussknacker der Welt, starr steht er da, überdacht, 5,87 m hoch. Wenn man einen Chip einwirft, bewegt er sein Gebiss. Zu jeder vollen Stunde öffnet sich daneben die Tür einer kleinen Bühne und menschengroße Nussknacker kreisen zur Musik von Tschaikowsky vor den Augen der Besucher, dann wird die Musik leiser und die Türen schließen sich, doch durch einen Spalt sieht man die starren Figuren weiter kreisen, unbeobachtet scheinen sie sich bis in die Unendlichkeit weiterzudrehen.
„Der Geist in der Maschine – Automaten in der Literatur 1.0“ weiterlesen„Geschaffen, nicht geboren“ – Von Mythen und Maschinen
„Wunderlich ist es doch, daß viele von uns über Olimpia ziemlich gleich urteilen. Sie ist uns … auf seltsame Weise starr und seelenlos erschienen. Ihr Wuchs ist regelmäßig, so wie ihr Gesicht, das ist wahr! – Sie könnte für schön gelten, wenn ihr Blick nicht so ganz ohne Lebensstrahl, ich möchte sagen, ohne Sehkraft wäre. Ihr Schritt ist sonderbar abgemessen, jede Bewegung scheint durch den Gang eines aufgezogenen Räderwerks bedingt. Ihr Spiel, ihr Singen hat den unangenehm richtigen geistlosen Takt der singenden Maschine und ebenso ist ihr Tanz. Uns ist diese Olimpia ganz unheimlich geworden, wir mochten nichts mit ihr zu schaffen haben, es war uns als tue sie nur so wie ein lebendiges Wesen und doch habe es mit ihr eine eigne Bewandtnis.“ (E.T.A Hofmann, Der Sandmann)
Sie trägt ein menschliches Antlitz. Und doch ist sie kein Mensch. Ein Irrtum, dem der Student Nathanael in E.T.A. Hofmanns Erzählung „Der Sandmann“ (erschienenen 1816) erliegt, als er sich in die als Tochter proklamierte Holzpuppe des Physikers Spalazani verliebt, die er als „himmlische Schönheit“ wahrnimmt, mit ihr tanzt, ihr vorliest, sie küsst und ihr sogar einen Heiratsantrag macht. Erst später erkennt er sie und ihre „Glasaugen“ als das, was sie ist: ein Automat, ein künstliches Wesen, so lebensecht, dass sie es schafft, Menschen zu täuschen und Gefühle in diesen wachzurufen, sei es glühende Verehrung oder den Schauder des Unheimlichen.
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