Halberstädter Ambivalenzen: (Un)Heiliges hinter dicken Mauern

Zu Beginn muss man wählen: linke Tür oder rechte Tür? Und so stehe ich vor dem Nordportal des Halberstädter Doms und entscheide mich erst einmal für die geschlossene Tür: die rechte. Dabei stutze ich kurz, denn gemeinhin gilt die rechte Seite als die symbolisch richtige, die Seite der Engel, der Sitz des Wahren und Vollkommenen. „Er sitzt zur Rechten Gottes“ heißt es u.a. im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Die linke Seite dagegen ist nach christlicher Vorstellung die Seite des Teufels und im Islam fällt jemand, der nach seinem Tod von Allah das Buch seiner Taten in die linke Hand gelegt bekommt, der ewigen Verdammnis anheim. Im Übrigen verortet/verortete man religiös auch das Weibliche links; sogar bei der Sitzordnung in der Kirche oder bei Tisch.

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Zwischen Himmel und Erde 1.0: Eine Lektion im Lächeln – Der Naumburger Dom

Seit jeher ist der Mensch fasziniert vom „Oben“, dem Blick zu den Wolken, zur Sonne, zum Mond oder zu den Sternen. Das Oben scheint unendlich. Und ungreifbar. Ein weiter Raum, der unsere Vorstellungskraft anregt, und vielleicht war und ist es genau das, weshalb das Oben seit jeher mit dem Sitz von Göttern, dem Reich der himmlischen Heerscharen oder aber mit dem Paradies assoziiert wurde. Alles Gute kommt von oben. Alles Schlechte lauert in der Tiefe, der Unterwelt, der Hölle, dem Reich fernab des Lichts. Schon im Schamanismus finden wir die Dreigeteiltheit des Kosmos in Ober- und Unterwelt, verbunden durch die axis mundi (die Weltenachse), symbolisiert etwa durch den Weltenbaum, einen heiligen Berg oder auch eine Trommel. Auf der Tabula Smaragdina (Smaragdtafel), der grundlegenden Schrift der Alchemisten, heißt es: Quod est inferius, est sicut (id) quod est superius, et quod est superius, est sicut (id) quod est inferius – Das Unten ist wie das Oben, und das Oben ist wie das Unten.

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