Der Geist in der Maschine – Automaten in der Literatur 3.0

Mälzel baute übrigens ein ganzes Orchester aus Automaten zusammen, das Panharmonium, für das Beethoven selbst ein Musikstück schrieb: „Wellingtons Triumph“. Das Orchester soll mit einem Schiff im Atlantik zugrunde gegangen sein. Mälzel entwickelte zudem das Metronom und er baute ein Hörrohr für den taub werdenden Beethoven, mit dem er sich dann jedoch überwarf. Nach der Niederlage Napoleons kaufte Mälzel seinen Türken von Napoleons Stiefsohn zurück. Gerne zeigte er auch sein Panorama vom Brand Moskaus. Nach vielen europäischen Touren brach er mit seiner Maschine im Jahre 1825 nach Amerika auf; New York, Boston, Philadelphia waren die ersten Stationen und viele andere sollten folgen. Doch die Amerikaner waren nicht auf den Kopf gefallen und bauten eine konkurrierende Schachmaschine. Mälzel soll sie aufgekauft haben, um den Wettkampf zu beenden. Sein Automat ging allem Anschein nach 1854  in Philadelphia durch einen Brand verloren.

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Der Geist in der Maschine – Automaten in der Literatur 2.0

Wie viele andere Autoren fühlte sich Jean Paul von den simulierenden Apparaten angezogen und abgestoßen zugleich, vielleicht weil die künstlerische Arbeit selbst Züge dieser Simulation trägt. Jede Fiktion, jede Skulptur steht in einem sichtbaren oder unsichtbaren Zusammenhang mit dem lebendigen Vorbild. Kunst soll Leben nicht nur darstellen, sondern auch erzeugen, im Betrachter lebendige Prozesse der Wahrnehmung auslösen. Zugleich waren sich Jean Paul, E.T.A. Hoffmann und überhaupt die Romantiker der wachsenden inneren und äußeren Mechanik bewusst. Jean Paul verfasste einen weiteren Text über Automaten unter dem Titel „Der Maschinen-Mann nebst seinen Eigenschaften“, ebenfalls in Des Teufels Papieren erschienen. Nicht nur das Rechnen und Schreiben, sondern auch das Kauen, Essen und Beten, ja noch die Musik werden durch Maschinen ausgeführt, wobei der Komponist sich aus Würfeln zusammensetzt. Am Schluss setzt Jean Paul noch eins drauf und benennt den eigentlichen Maschinen-Mann. Es ist niemand anders als der Leser! Immer wieder beschäftigen den Autor Maschinen, ja er erfindet neue hinzu: „Ohrfeigenmaschinen, Klistiermaschinen, Klatschmaschinen des Publikums, die Päpste nennt er einmal geistliche Waschmaschinen, die ‚Weltweisen’, die Philosophen, geistige Luftpumpen“ (Hädecke 130), ja, der Mensch selbst sei eine von Engeln bediente Maschine. Jean Paul gab seinen Luftgeistern viel Raum, sein Ausgangspunkt war eine Wirklichkeit, die sich von Maschinen bedroht wie angelockt sah. 

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Der Geist in der Maschine – Automaten in der Literatur 1.0

Neuhausen bei Seiffen im Erzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, kann sich mit Recht die Hauptstadt der Nussknacker nennen. Dort gibt es die größte Sammlung von Nussknackern weltweit, fast 5000 Stücke von den italienischen Frühzeiten bis zu Hillary Clinton. Begrüßt wird man von dem größten Nussknacker der Welt, starr steht er da, überdacht, 5,87 m hoch. Wenn man einen Chip einwirft, bewegt er sein Gebiss. Zu jeder vollen Stunde öffnet sich daneben die Tür einer kleinen Bühne und menschengroße Nussknacker kreisen zur Musik von Tschaikowsky vor den Augen der Besucher, dann wird die Musik leiser und die Türen schließen sich, doch durch einen Spalt sieht man die starren Figuren weiter kreisen, unbeobachtet scheinen sie sich bis in die Unendlichkeit weiterzudrehen.

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