Von den guten und bösen Teufeln bei den Slawen

Teufelsgeschichten gibt es seit wenigstens tausend Jahren. Dabei sind Gestalten und Gesichter des Teufels sehr unterschiedlich, ist er doch ein geschickter Meister der Maskerade. So erscheint er als böser Drache oder Dämon, als grotesker Kobold oder in Gestalt eines Schmeichlers und Verführers. Zu den teuflischen Verführungen gehören nicht nur die Fleischeslust, sondern Vergnügungen jeglicher Art wie das Tanzen, Lachen und alle verwerflichen Erscheinungen der Mode. Der Teufel ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil unterschiedlicher Lebenswelten geworden; als Gestalt und Motiv ist er untrennbar mit großen Erzählungen der Weltliteratur verbunden.

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Wir sind Legion – Ein Besuch bei Beelzebub und Freunden

Es sind nicht mehr als einhundert Kilometer von Vilnius nach Kaunas, aber mein Zug braucht mehrere Stunden für die Strecke, bummelt durch die flache Landschaft zwischen Wäldern, Wiesen, Seen und Sümpfen dahin. Wenn ich mich zurücklehne und die Augen schließe, sehe ich die baltische Landschaft trotzdem, sie ist ein Bernstein zwischen Meereskieseln, stumpf an der Oberfläche, schimmernd im Inneren, fest und weich zugleich. Eingeschlossen im erstarrten Harz wie Insekten liegen behütet die Städte zwischen Meer und Kiefern, zwischen Sümpfen und Sand. Eine ruhige, friedliche Landschaft, schwer vorstellbar, dass sich hier die Heimat des Bösen befinden soll.

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Teuflische Tricks

Auf unserer mythischen, kulturellen und literarischen Spurensuche zum Trickster, die im Oktober 2018 begonnen hat, ist es an der Zeit einmal die “teuflische” Seite jenes Wesens zu betrachten, das nicht so recht in die Ordnung der Welt passen will, diese jedoch mehr oder minder erfolgreich – in allen Fällen aber folgenreich – durcheinander zu wirbeln versteht. Was haben nun aber Satan, Beelzebub oder der Herr der Hölle mit dem Trickster zu schaffen? Der christliche Teufel, dieser gefallenen Engel und Widersacher Gottes, besitzt ja ohnehin einen eigenen und vor allem eigentümlichen Werdegang. Mithin scheint er sogar eine richtige Chimäre zu sein, wenn man ihn einmal über die theologische Deutung hinaus betrachtet …

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Die Walpurgisnacht

“Am Kreuzweg feiert der Böse sein Fest,
Mit Sang und Klang und Reigen:
Die Eule rafft sich vom heimlichen Nest
Und lädt viel luftige Gäste.
Die stürzen sich jach durch die Lüfte heran,
Geschmückt mit Distel und Drachenzahn,
Und grüßen den harrenden Meister.”

aus “Walpurgisnacht” von Theodor Storm

Es ist tiefe Nacht. Lautlos wiegen sich die schemenhaften Gestalten von Bäumen und Büschen im Wind, matt beleuchtet vom Mondlicht. Doch plötzlich – ein Rauschen, die Luft erfüllt von Lachen, Schreien und wilden Gesängen. Auf Besen, Mistgabeln und Böcken kommen sie geflogen, um in der Nacht vor dem Tag der heiligen Walburga ihr ausschweifendes und gottloses Treiben abzuhalten: Hexen. Männer und Frauen, manche halbnackt, mit glänzenden Augen und vom Wind zerzausten Haaren. Zuerst sind es nur ein paar, doch rasch werden es immer mehr. Ein großes Feuer lodert auf der Lichtung des Berggipfels auf, Schatten tanzen im flackernden Licht der Flammen zu wilder Musik.

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