„Wir, unserer eigenen Vorzeit fremd geworden, können nur täppisch versuchen, das Neue mit dem Alten zu verknüpfen.“ (Jakob Grimm)
Die mystisch-mythischen Anfänge einer Stadt und ihrer Umgebung sind in ihrem narrativen Kern, so wie bei Mythen allgemein, von verblüffender Beständigkeit. Sie zeugen von einer ausgeprägten Variationsfähigkeit und tragen in entsprechenden Erzählungen zur Entwicklung einer kollektiven regionalen und lokalen Identität bei. Gründungsmythen einer Stadt und Region sind bis heute von Bedeutung, sie schaffen nicht nur Verbindungen zu einer fernliegenden Vergangenheit, sie können auch die Stadtgeschichte auf eine anschauliche, bildhafte und unkonventionelle, nicht unbedingt wissenschaftlich begründbare Art und Weise verdeutlichen, gemeinsame Werte bewahren, Traditionen und Bräuche stiften und zu einem Zugehörigkeitsgefühl beitragen. In ihrer Vielschichtigkeit sind sie häufig kulturübergreifend und spielen im Nachdenken über die Kultur und Kulturgeschichte eine zentrale Rolle.
Auch in den Diskussionen über historisches Wissen sind Mythen von Bedeutung, in ihrer Instrumentalisierung können sie zu identitätsstiftenden Elementen werden. Zugleich verleihen sie einer Stadt und Region ein wiedererkennbares, einmaliges Antlitz. Die Frage nach dem tatsächlichen inhaltlichen Wahrheitsgedanken, der historischen „Belegbarkeit“, ist dabei zumeist irrelevant, zumal entsprechende Informationen aus Chroniken, Traktaten und Urkunden fremder, christlicher Verfasser stammen, die in ihrem missionarischen Eifer den heidnischen Germanen und Slawen gegenüber zumeist negativ oder sogar feindlich eingestellt waren und ihre Götzen und Elementargeister als „schändliche Abgötterei“ verteufelten. Städtische wie regionale Mythen können verklärende Darstellungen ebenso wie frei erfundene Geschichten in historischen Überlieferungen sein, die in ihren jeweiligen Deutungen zum Vorstellungsbild, zum Image einer Stadt beitragen können. Es sind zumeist geheimnisvolle, mystisch-mythische Geschichten, die zu den verborgenen Schätzen einer Stadt und Region gezählt werden dürfen. Zur weiteren Lektüre sind diesbezüglich empfehlenswert u.a. der Stadtführer „Mystisches Leipzig“ von Andreas Gerth[1] wie auch „Magische Orte in Leipzig und Umgebung: Sagen, Mythen, Legenden und Altertümer, vorzeitliche Flurnamen und Fundstätten. Heidnische Kult- und Kultverdachtsplätze“ von Alexander Blöthner[2] ebenso wie auch Johann Theodor Gräßes „Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen“.[3] Bd. 1 Dresden 1874.
Wenn wir der Frage nach den Anfängen von Leipzig, seiner Vororte und Vorwerke nachgehen, müssen wir recht deutlich zwischen nachweisbaren und mystisch-mythischen Anfängen unterscheiden. So ist wissenschaftlich nachweisbar die Gründung der Stadt auf eine Burganlage zurückzuführen, „urbs libzi“ genannt, die in einer entsprechenden Urkunde des Bischofs Thietmar von Merseburg aus dem Jahr 1015 Erwähnung findet. Dabei gab es allerdings bereits zuvor an der Stelle der „Aldenburg“ befestigte Siedlungen, die weit zurück in die slawische-, die germanische und wahrscheinlich auch die keltische Besiedlungszeit reichen und bis heute Ausgangspunkt polarisierender Deutungsansätze und Interpretationen sind. Die slawische Landnahme im 6. Jahrhundert erfolgte letztendlich nicht in einem bevölkerungsleeren Raum. Älteste Hinweise auf die Besiedlung des heutigen Leipziger Stadtgebiets reichen bis in die Alt- und Jungsteinzeit zurück und elbgermanische Funde weisen auf die zumindest zeitweise Anwesenheit des Stamms der Hermunduren hin.
Auf dem Atlas der seinerzeit bekannten Welt des griechischen Astronomen und Mathematikers Ptolemäus taucht „Germania magna“ mit immerhin 94 verzeichneten Orten auf, darunter auch eine Siedlung namens „Aregelia“. Diese soll sich angeblich auf dem Gebiet des heutigen Leipzig befunden haben. Doch was hat dieses „Aregelia“ tatsächlich mit Leipzig zu tun? Wäre damit Leipzig tatsächlich schon 2000 Jahre alt?[4] Namenkundlich könnte eine gewisse Spur auf (G)Leye (Klei) im Sinne von Flussschlick, bzw. (g)ley – glitschig, lehmig, matschig im ersten Namensteil führen. Der zweite Namensteil könnte sich auf dass indoeuropäische „–are“, enthalten z. B. in den Wörtern Aar(e), Ahr(e) in der Bedeutung von (kleiner) Fluss, der an dieser sumpfigen Stelle passiert werden konnte.
Eine weitere, weit in die Vergangenheit reichende mythische Interpretation soll auf einen Kriegsfürsten zurückgehen, der an der berühmten Varus-Schlacht im Teutoburger Wald teilgenommen haben soll. Der Name jenes Feldherrn des Arminius, der den Varus schlug, soll Lybonethes gewesen sein. Sein Feldlager soll sich am legendären Zusammenfluss von Pleiße und Elster in der Nähe des späteren Ranstädter Tors befunden haben. Sein Name, in der sächsischen Mundart Libonitz genannt, wurde schließlich verballhornt zu Lyptz und unter dem Einfluss der slawischen Phonetik (und seiner Zischlaute!) schließlich zu „Leibzsch“. Es sind mehr oder weniger vage Indizien für eher Fantasienamen, die weniger nachweisbar, weniger einleuchtend sind als die slawische Herkunft der Stadt Leipzig vom slawischen Wort „lipa“, also, Lindenort, abgeleitet. Mit „lipa“ wäre des Weiteren auch ein Bezug zu den in diesem Gebiet siedelnden slawischen Stamm der Liubusani/Lubuschane gegeben. Auch wenn die Namenkunde die Frage nach einer möglichen neuen germanisch-keltischen Etymologie stellt, ist diese in den Sagen und Legenden im gegebenen Raum nur wenig vertreten, ist aber häufig in entsprechenden Erzählungen slawischer Provenienz im Erzählkern vorhanden.
Tatsächlich gehörte das Gebiet von Leipzig bis zum Jahre 531 zum Königreich Thüringen. Nach der Niederlage gegen die Franken verließen die Thüringer allerdings das Land, und es ließen sich ungefähr im Jahr 600 Slawen nieder, die sich mit der verbliebenen Bevölkerung vermischten. Erstmals urkundlich nachgewiesen wurde die Anwesenheit der Slawen bzw. Sorben in der Fredegar-Chronik von 631. Es handelte sich um die Erwähnung des mittelalterlichen „Slawengaus“ Chutizi (auch Chuntizi bzw. Gudizi), der sich im östlichen Teil der Mark Merseburg befand. Der Name „Chutizi (orientalis)“ scheint slawischer Herkunft zu sein und sich auf den Stamm der Skuditzi/Skuditzer zu beziehen, der u.a. im Ortsnamen von Schkeuditz enthalten ist, der 981 unter dem Namen „urbs Scudici“ erstmals urkundlich nachweisbar erwähnt wurde,.
Häufig ging man in der Forschung zunächst von namenkundlichen Interpretationen entsprechender Orts- und Flurnamen aus. So ist es nicht sicher, ob das Wort „ald“ in Aldenburg (die alte Burg?) „urbs Libzi“ auf dem Gebiet des späteren Leipziger Matthäi-Kirchhofs tatsächlich unserer heutigen Bedeutung von „alt“ entspricht, oder ob es sich eher auf das lateinische Wort „altus“ bzw. das keltische „alto“ in der Bedeutung von „hoch“ (vielleicht auch „hochheilig“?) beziehen könnte, wir es damit mit einer heiligen, sich auf einer Anhöhe in der Auenlandschaft befindlichen Burg zu tun haben. „Libzi“ schließt dabei nicht die Schreibweise „Lipzi“ aus, gilt doch in der sächsischen Phonetik die wohl wichtigste Aussprachregel von Konsonanten: „De Weeschn besieschn de Hardn“. An besagter Stelle der legendären Aldenburg soll sich bereits seit dem 7. Jahrhundert eine befestigte Ansiedelung befunden haben. Dieser Deutung zufolge würde es sich also nicht nur um eine „Befestigungsanlage mit slawischen Wällen“ handeln, die 928 gegründet wurde, sondern auch um einen uralten Ort und eine heiligen Kultstätte inmitten der Leipziger Auenlandschaft. Im Jahre 924 soll König Heinrich ganz in der Nähe Zuflucht vor den kriegerischen Madjaren gesucht haben, und zwar in der Burg „Bichni“, dem heutigen Püchau. Hier befand sich übrigens eine der ältesten Befestigungsanlagen Sachsens, die ebenfalls von Bischof Thietmar von Merseburg urkundlich erwähnte wurde. Der Name „Bichni“ könnte auf den altslawischen Personenname „Bichna“ zurückgehen.
Verwunschene, mystisch-mythische und heilige Orte unserer heidnischen Vorfahren, denen häufig eine magische Aura und Kraft zugesprochen wurde, gab es viele, viele von ihnen wurden jedoch im Verlauf der Christianisierung zerstört. Gesicherte Nachrichten über heidnische Götter-Verehrung an derartigen Kultstätten finden wir ebenfalls bei Thietmar von Merseburg, der u.a. „Zutibure/Scutibure“, das heutige Schkeitbar bei Lützen als einen heiligen Hain beschreibt. Der Name scheint von den slawischen Wörtern „škit“/ „ščit“ (Schild; Schutz) und „bor“/„bór“ (, Wäldchen, Hain) abgeleitet zu sein. Das Wasser der den heiligen Hain durchfließenden Bäche galt als heilend. In Folge der gewaltsamen Christianisierung wurde der heilige (Linden-)Hain der Slawen abgeholzt. An seiner Stelle wurde eine dem heiligen Romanus gewidmete Kirche errichtet, die der Abschreckung und Warnung des heidnisch-slawischen Stamm der „Chutizi“/„Chudzicy“ Elster dienen sollte.
Oft waren es Linden bzw. Lindenhaine, die bei den Germanen wie auch bei den Slawen als heilig verehrt wurden. So kommt bei den Slawen der Linde bzw. dem Lindenblatt bis heute eine besondere Bedeutung zu. Bei den Tschechen und Sorben gilt der Lindenbaum als ein nationales Symbol; er ist Symbol für die Gemeinschaft, für Frieden und Glück wie auch für die Verbundenheit mit der Natur. Zugleich war die Linde ein heiliges Zeichen der Freien und Edlen. Im Emblem der Domowina, dem Bund Lausitzer Sorben, finden wir „drei Blätter der Linde mit weißen Adern, die von einem Stengel wachsen. Der Stengel endet im unteren Teil mit acht Wurzeln“. Auch zahlreiche Ortsnamen gehen auf das slawische Wort für Linde zurück, so u.a. Česká Lípa (Böhmisch Leipa) in Böhmen oder der Wallfahrtsort Święta Lipka (Heilige Linde) in Polen. In diesem Zusammenhang lässt sich auch die Herkunft Leipzigs auf den Lindenbaum, „lipa“, zurückführen. Ähnliche Namen von deutschen Siedlungen im Leipziger Raum beweisen das wie Lindenau oder Lindenthal. Und zur Blütezeit ist der betörende Lindenduft fast überall in der Stadt zu spüren. In Leipzig soll es einen solchen gewaltigen, prachtvollen Lindenbaum mit weitausladenden Ästen gegeben haben. Er soll eine Kultstätte des slawischen Gottes Flins (Flinz, Flynz), des slawisch-sorbischen „Todtengottes“ gewesen sein soll. Die furchteinflößende Gestalt des bärtigen Flins, eigentlich ein Skelett, war in einen langen, dunklen Mantel gehüllt, saß auf einem (Feuer-)Stein und hielt ein loderndes „Blasfeuer“ in der Hand. Auf seiner linken Schulter befand sich ein furchteinflößender Löwe. Über den Leipziger Flins berichtet erstmals der Pirnaer Mönch Erasmus Stelle (eigentlich Johannes Studier oder Stüler). Die Kultstätte soll sich am Zusammenfluss von Pleiße und Parthe befunden hat, an dessen Stelle später ein dem Heiligen Jakobus geweihtes Kloster gegründet wurde, das nach seiner Zerstörung zum Kern einer Siedlung namens Lipzk/Lypz wurde. Unter Markgraf Konrad wurde die Stadt Leipzig von Mauern umgeben. Ein heidnischer Brauch hat sich über die Zeiten erhalten. So wurden beim Bau von Kirchen in der Stadt und Umgebung Lindenbäume gepflanzt, nachweislich geschehen im Dorfe Lindenau (Lindinouve, um 1000 gegründet), das in einer von Linden bestandenen Aue gegründet worden war. Auch nach der Reformation wurde das traditionelle Pflanzen von Lindenbäumen an Kirchen (Lutherlinden!) fortgeführt. Eine vergleichbare heidnische Kultstätte des Flins soll sich übrigens auch im Flecken Oehna bei Bautzen befunden haben. Über sie gibt der Volkskundler Karl Haupt in seinem „Sagenbuch der Lausitz“ (1862) Auskunft: „Wenn aber der Löwe brüllte oder die Feuergarbe brannte, dann strömten von allen Seiten die Götzendiener herbei und brachten blutige Menschenopfer dem Gotte des Todes.“[5] Der Name Flins/Flyns soll vom Flintstein herrühren, auf dem seine Statue stand. Ein solcher riesiger Flins-Stein (Flinzstein) befindet sich u.a. in Zörbig, Ortsteil Löberitz. Es war zunächst eine altgermanische Kult- und Opferstätte, die im Volksmund bis heute „Teufelsstein“ genannt wird und von den nachrückenden slawischen Siedlern gleichfalls als heilige Kultstätte genutzt wurde. Eine Beschreibung des Flinz durch den Archidiakon Friedrich Gottfried Elteste (1684-1751) finden wir in dessen Buch „Ausführliche Nachricht von der Stadt Zörbig“ (1732): „Dann der Flynz mit seiner erschrecklichen Gestalt, als ein Toden-Cörper, mit einem langen anhangenden Mantel, in der Hand einen Stab mit einem Blas-Feuer, und zur linken Seite einen aufgerichteten Löwen haltend.“[6] Der Löwe sollte dabei die Toten wieder zum Leben erwecken. Im Verlauf der Christianisierung sollen Götzenstandbilder wie jene des „Flins“ durch den Weih-Bischof Bonifatius persönlich zerstört worden sein. Auf dem „heiligen Stein“ wurde nunmehr ein Marienstandbild, „Ave Maria, miracula“, errichtet, das während der Reformation zerstört wurde. 1999 wurde als Zeichen christlichen Lebens an besagter Stelle ein ca. 4,50 Meter hohes Holzkreuz mit der Inschrift „BONIFATIUS“, der Zahl 702 und dem Christusmonogramm errichtet.
Zu den mystisch-mythischen Orten in und um Leipzig gehören auch die aus der Jungsteinzeit stammenden Hügelgräber, die durch einen zufälligen Fund von Keramikscherben entdeckt und nachfolgend erforscht wurden. Ihre Existenz lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Umgebung des Bienitz bei Burghausen, der Name soll auf die slawische Bezeichnung Pinitz (Stöckigt) zurückgehen, bereits seit etwa 6.500 Jahren besiedelt war. Auf dem Bienitz befindet sich u.a. auch ein umstrittenes „Hunnengrab“ wie auch die Überreste einer slawischen Wallanlage, die im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden genutzt wurde. Aus diesem Grunde ist sie bis heute als „Schwedenschanze“ bekannt. Jene Sage vom „Hunnengrab“ sagt aus, dass der Hunnenkönig Attila, vom Kriegszug verletzt, an einem Quell, der heutigen „Hunnenquelle“ am Bienitz, sein Pferd tränken wollte. Dabei sei er vom Pferd gestürzt und verstorben. Sein Leichnam sei angeblich im Bienitz in jenem „Hunnengrab“ bestattet worden. Allerdings gibt es dafür keinerlei historische oder archäologische Nachweise. Zu den slawischen mythischen Orten im Leipziger Raum gehört auch der „Schulberg“ in Leipzig-Connewitz. Hier befand sich ebenfalls eine alte slawische Wallburganlage und Siedlung, „Konovici“ (Siedlung der Pferdezüchter) genannt. An ihrer Stelle wurde 1770 eine Kirche errichtet. Nach deren Abriss wurde an dieser Stelle die heutige Paul-Gerhardt-Kirche gebaut. Neuere archäologische Untersuchungen aus den 90er Jahren haben den Nachweis erbracht, dass sich dort zuvor bereits eine befestigte früheisenzeitliche Siedlung befand.
Ein weiterer mythischer Ort ist das „Studentenbad“, das sich an der Stelle befindet, wo die „Elster in die Pleiße fällt“. Bedingt durch ihren „betrüglichen Lauf“ weist der Fluss Untiefen und Strudel auf, so dass das einstige Flussheiligtum alljährlich Opfer fordert. So berichtet eine alte Sage, „daß es alle Jahre einen Menschen haben müsse, wie auch fast jeden Sommer ein Mensch darin ertrinkt und wird davon geglaubt, daß die Wasser-Nixe einen hinunter ziehe. Man erzählt, daß die Nixen vorher auf dem Wasser zu tanzen pflegen, wann einer ertrinken wird.“
Sagen, Legenden und Märchen aus längst vergangenen Zeiten sind häufig nicht eindeutige nachweisbarer Herkunft. Sie erfreuen sich auch in Zeiten der neuen Medien wachsender Beliebtheit. Hier lediglich einige wenige Hinweise für eine weiterführende Beschäftigung und Lektüre wie z. B. „Leipzig-Lese“[7], „Sagen, Märchen und Legenden“, die zum Teil neu erzählt werden.[8] Weiterhin „99 besondere Seiten: Leipzig mit den Augen Henner Kottes entdeckt“[9] oder „Erzählmuster einer vergangenen Zeit. Geschichten aus dem Schwemmsandland“ von Timo Wildt.[10] Auch Rundfunk und Fernsehen beschäftigen sich mit diesen Themen wie z. B. MDR Jump mit der Sendung „Sagen und Mythen des Ostens“.[11] Verwiesen sei des Weiteren auf Sagensammlung wie „Sachsen und angrenzende Gebiete“[12], auf Hörbücher und Videos auf YouTube – „Mythen und Sagen aus Sachsen“ von Thomas Wagner, u.a. empfehlenswert – „Der Schwarze Bruno. Sündiger Mönch und Leipziger Flaschengeist“.[13] Hinzu kommen mythologisch inspiriert Kriminalfilme wie u.a. die Spreewaldkrimis. Und so werden Sagen, Legenden und Märchen in der Kunst, Musik und Malerei, im „Zauberwort“ und im „Wortzauber“ der deutschsprachigen Literatur wie auch in den Literaturen Mittelosteuropas zur Unterhaltung oder auch zur Schauerlust immer wieder thematisiert, neu interpretiert und ziehen nach wie vor zahlreiche Leser und Zuschauer magisch in ihren Bann.
Ein Beitrag von Dr. Hans-Christian Trepte
[1] Andreas Gerth: Mystisches Leipzig. Ein außergewöhnlicher Stadtführer zu geheimnisvollen Orten in Leipzig und Umgebung. Dittelsdorf: Oberlausitzer Verlag 2023.
[2] Alexander Blöthner: Magische Orte in Leipzig und Umgebung: Sagen, Mythen, Legenden und Altertümer, vorzeitliche Flurnamen und Fundstätten. Heidnische Kult- und Kultverdachtsplätze. Band 1: Das Stadtgebiet von Leipzig mit seinen alten und neuen Vororten. BoD – Books on Demand Norderstedt 2021.
[3] Johann Theodor Gräße: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen. Dresden. Band 1 1874. Verwiesen sei diesbezüglich auch auf Ralf Julke: Eine Spurensuche (4): Ist Leipzig tatsächlich schon 2.000 Jahre alt? Leipziger Zeitung, 27. Februar 2015. https://www.l-iz.de/bildung/zeitreise/2015/02/spurensuche-4-ist-leipzig-tatsaechlich-schon-2-000-jahre-alt-77177 (19.08.2025).
[4] Ralf Julke: Eine Spurensuche (1). Ist Leipzig tatsächlich schon 2.000 Jahre alt? In: Leipziger Zeitung vom 26.Februar 2015. https://www.l-iz.de/bildung/zeitreise/2015/02/spurensuche-1-ist-leipzig-tatsaechlich-schon-2000-jahre-alt-77119 (19.08.2025).
[5] Karl Haupt: Sagenbuch der Lausitz: Das Geisterreich. Norderstedt 2016, S. 7.
[6]Friedrich Gottfried Elteste: Ausführliche Nachricht von der Stadt Zörbig. Leipzig 1732.
[7] Leipzig-Lese https://www.leipzig-lese.de/streifzuege/sagen-und-maerchen/ (19. August 2025).
[8] Ingrid Annel: Das Leipziger Märchenbuch: Sagen, Legenden und Märchen aus Leipzig neu erzählt. Köln 2023.
[9] Henner Kotte: Leipzig: Die 99 besondere Seiten der Stadt. Halle 2015.
[10] Timo Wildt: 32 kleine Geschichten über Trolle, Parthe und Schönefeld. Leipzig 2013.
[11] Sagen und Mythen des Ostens https://www.mdrjump.de/channel/sagen-und-mythen-des-ostens/index.html (19. August 2025).
[12] „Sachsen und angrenzende Gebiete“ https://sagenpfa.de/ (19. August 2025).
[13] Der Schwarze Bruno. Sündiger Mönch und Leipziger Flaschengeist https://www.youtube.com/watch?v=E4JkHWUTxTg (19. August 2025).
© Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie e. V.



Vielen Dank für die umfangreichen Informationen über Leipzig und das weitere Umland. Ich würde vom Gefühl her dazu tendieren, dass der Name Leipzig tatsächlich vom Lindenbaum stammt: ist doch in Sachsen dieser Baum bis in die kleinsten Dörfer präsent!
Ich wohne in Würschnitz ( jetzt zugehörig zu Thiendorf) und auch unser Dorf (ca. 250 EW) hat an der Kirche seine altehrwürdigen Linden (gehabt). Der Sturm Kyrill hat ihnen leider vor ein paar Jahren den Garaus gemacht.
Freue mich auf weitere spannende Beiträge!
Bettina F.
„Gründungsmythen einer Stadt und Region sind bis heute von Bedeutung, sie schaffen nicht nur Verbindungen zu einer fernliegenden Vergangenheit, sie können auch die Stadtgeschichte auf eine anschauliche, bildhafte und unkonventionelle, nicht unbedingt wissenschaftlich begründbare Art und Weise verdeutlichen, gemeinsame Werte bewahren, Traditionen und Bräuche stiften und zu einem Zugehörigkeitsgefühl beitragen“
Das ist so eine Sache mit den Gründungsmythen von Städten. Wissenschaftlich lassen die sich nicht belegen, schon klar. Aber warum gibt es diese unzähligen Gründungsmythen von Städten, wenn wie wissenschaftlich ohne Bedeutung sind? Ich weiß es nicht, interessant finde ich sie aber trotzdem. Beispiel: Der Gründungsmythos von Marseille hängt mit Kelten und griechischen Seefahrern zusammen. Beschrieben wird Marseille als älteste Stadt Frankreichs, die gemäß der Gründungslegende als Stadt Massalia gegründet wurde ->
https://www.mythologie-antike.com/t1560-nanas-mythologie-keltischer-konig