Die frühe Zeit der Sowjetunion war voller Projekte der Vervollkommnung, die sich von der Biologie des Menschen bis zu den Sternen erstreckte, und die Literatur gab Zeugnis davon. Der Neue Mensch sollte eine Neue Erde aufbauen und nach den Vorgaben des Sozialismus auch in das Innerste anthropologischer Strukturen eingreifen. Doch dann kamen die Schriftsteller und Künstler und begannen mit diesen Projekten zu spielen und bei dem Spiel entdeckten sie die abgründigen Seiten dieser umfassenden Revolution. Dabei mussten sie aufpassen, dass sie sich nicht der Verfolgung aussetzten. Mit großem Geschick platzierte Michail Bulgakow seine Erzählungen in diese Kontexte: Sie erzeugten wiedererkennbare Situationen, ermöglichten satirische Kritik, entzogen sich aber endlich auch dem Blick des Zensors durch Finten und Magie.
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Der Meister und Margarita – Kultklassiker mit Wendungen
Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow ist, wie schon vor zwei Generationen, ein hochaktuelles Meister(und Margarita)-werk. Das bestätigt das starke Andrängen russischer Kinobesucher in russische Kinosäle, um die seit Anfang des Jahres laufende Verfilmung des Buches zu sehen. Die Gesellschaft nimmt die vertraute Linderungen für alte Krankheiten dankbar auf. Denn in großen Teilen, und das muss zuallererst gesagt werden, ist Der Meister und Margarita ein Aufruf gegen den Totalitarismus. Handlungszentrum ist Moskau der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, also mitten in den Beklemmungen des stalinistischen Terrors – Ausflüge in andere Dimensionen und in das antike Yershalaim kommen dazu.
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