Höllische Venus, paradiesische Erde, wandelbarer Mars. Dantes Jenseitsreiche im Spiegel der vergleichenden Planetologie

Das diesjährige, grosse Dante-Jubiläum – 700 Jahre sind seit dem Tod des Dichters vergangen – fällt in eine sehr turbulente, fast möchte man sagen: „danteske“ Zeit. Viele Errungenschaften der europäischen Aufklärung sind derzeit in Frage gestellt oder schon verloren gegangen; von einem „Rückfall ins Mittelalter“ ist gar die Rede. Das könnte man so sehen, wenn man an die Glaubenskämpfe rund um „Gesundheit“, „Sicherheit“ und „Freiheit“ denkt, wo sich die Menschen scheinbar zwischen einem „ewigem Lockdown“ (Hölle) und einem „ewigem Immunschutz“ durch Impfung (Paradies) zu entscheiden haben. Sollten wir uns da nicht eher auf unsere Vernunftphilosophen besinnen, statt auf einen mittelalterlichen Dichter, der Himmel und Hölle besingt? Einverstanden – nur: Dante ist auch ein Vernunftphilosoph, wenn man unter Vernunft, um F. von Weizsäcker zu folgen, die „Wahrnehmung des Ganzen“ versteht. Diese Vernunft, nicht zu verwechseln mit blosser Ratio und Wissenschaftlichkeit, scheint uns gründlich abhanden gekommen zu sein. Wenn es um „das Ganze“ geht, hat uns Dante einiges zu sagen.

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Wie wir Menschen aus Riesen gemacht wurden

In der nordischen Mythologie gibt es im Bereich der Entstehung und dem Vergehen der Welt einige Motive, die sich durch die Brille der modernen Kosmologie wunderbar interpretieren lassen und von denen ihrer drei in diesem Beitrag dargestellt werden sollen. Das heißt jetzt keineswegs, dass heutige wissenschaftliche Erkenntnisse in den Mythen vorweggenommen wären oder dass die Altvorderen hier tiefere oder prophetische Einblicke in die Natur gehabt hätten, bevor neuartige Beobachtungsmöglichkeiten eine Empirie in dem Sektor überhaupt erst möglich gemacht haben. Wir lesen im Folgenden nichts aus den Mythen heraus, sondern hinein. Das ist aber gerade in der Interpretation von Mythen nichts Ehrenrühriges, sondern im Gegenteil etwas, was den zeitlosen Charakter eines Mythos unterstreicht, kann man doch durch die Applikation heutiger Erkenntnisse an die jahrhundertealte Bilderwelt eben diese Bilder unbeschadet in die heutige Zeit transferieren und so an die Bilder geknüpfte Lehren, gesellschaftlicher oder spiritueller Natur, in die Neuzeit tragen, gar nutzbar machen. Man darf dabei nur nicht vergessen, dass diese Interpretation keinesfalls mit der Vorstellungswelt derjenigen übereinstimmt, die mit diesen Bildern Geschichten erzählt oder sie verschriftlicht hatten, sondern nur unseren eigenen Blickwinkel darstellen. Ein erquickliches Vergnügen ist es dennoch oder auch gerade deshalb.

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Etwas über Dante

Der Florentiner Dante Alighieri ist 1321 – also vor 700 Jahren – in Ravenna gestorben, und aus diesem Anlass werden viele kluge Menschen viele kluge Dinge über den verehrten Schöpfer der Göttlichen Komödie schreiben. Wer sich auf den Dichter Dante einlässt, kann erfahren, dass er gefordert hat, jeden Text müsse man in vierfachem Sinn auslegen können – einmal im buchstäblichen Sinn, dann im allegorischen Sinn, weiter im moralischen Sinn und schließlich im anagogischen Sinn, wobei anagogisch eine Anleitung zum Aufstieg meint, und zwar „zum Aufstieg in die Sphäre der Glaubenswahrheit“, wie es bei Ernst Robert Curtius in dem Buch zu lesen ist, in dem er 1932 „Elemente der Bildung“ beschrieben hat. Als jemand, der vor allem über Fortschritte und Einsichten der Naturwissenschaften schreibt, möchte ich einmal in knapper Form nachprüfen, ob Dantes vierfache Forderung an Geschriebenes etwa in Sachbüchern erfüllt werden kann.

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