Dekadenz und Arbeit – Ein Abend über Wolfgang Hilbig, Charles Baudelaire und Arthur Rimbaud

Auf den ersten Blick passt da vieles nicht zusammen: der ostdeutsche Autor und Arbeiter Wolfgang Hilbig und die französischen Lyriker der Dekadenz und des Symbolismus, Charles Baudelaire und Arthur Rimbaud. Als ich gefragt wurde, eine Veranstaltung mit der Hilbig-Gesellschaft und unserem Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie zu dieser Verbindung zu machen, fiel mir zunächst wenig ein. Wir konnten den Hallenser Autor und Gelehrten André Schinkel zu einem Gespräch gewinnen, denn ein Vortrag sollte es nicht sein. Schinkel und Schenkel versuchten es also, und die Zuhörer schienen konzentriert bei der Sache zu sein. Zumal es unsere erste Veranstaltung unter Corona-Bedingungen war, die langsame Rückkehr zu einer alten Form mit Hilfe von Maske, Chemie und Adressenlisten. Vielleicht war das passend zum Thema, zu den Autoren. Die Schutzmaske des Heizers Wolfgang Hilbig, die Masken der Dichter, die Desinfektion des Lebendigen und die Erinnerungen, die dadurch entstehen, die Rückkehr von Natur unter Schutzhüllen und molekularen Auren, die Poesie als Liste und List, den Bedingungen des sozialen Daseins zu entkommen, um es desto besser in den Blick zu nehmen.

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“Sphinx” oder: Die (Un-)Liebe des Dichters zu seinen Worten in drei literarischen Rätseln

Es wird Abend in der Stadt Leipzig. Unwillig entschließt sich die Junisonne, hinter den Häusern im Westen zu versinken, aber nicht ohne ein letztes, trotziges Aufglühen, das manchem, der längst das dämmernde Dunkel erwartet, in den Augen blendet. Fast zeitgleich legen sich die langsamer werdenden Geräusche des Abends im Einklang mit sommerlicher Kühle über Straßen und Menschen. Der Sommer hat so seine eigene Art, uns zu überfallen. Er ist ein Gaukler, der uns weismacht, all unsere Gedanken zu kennen, und mehr noch; er gibt vor, sie uns aussprechen zu lassen. Und dann, wenn wir dem Trick auf dem Leim gehen – und das tun wir immer -, stellen wir fest, dass die Gedanken ins Ungreifbare entwickelt, sie uns vielleicht sogar wie wundersam abhandengekommen sind. Wir ringen nach Worten, Worte, worum sich alles dreht. Worte, die die Hitze im Zwielicht von Tag und Nacht wieder freigibt; doch es ist ein zögerliches Freilassen, als hätten wir die Wärme in flagranti ertappt, uns insgeheim eine Scherbe unserer selbst gestohlen und in die Welt geworfen zu haben.

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Der MYTHO-Blog liest trotzdem – 2.0

Zwischen den Welten

Ich bin ein Leser, der zwischen den Welten wandelt. Sachbuch oder Literatur? Man muss sich entscheiden. Was mir manchmal wirklich schwerfällt, da ich am liebsten alles auf einmal lesen würde. Lesen bedeutet für mich, die ganze Welt in meiner Wohnung zu versammeln, in Vergangenheit und Zukunft zu reisen oder einfach nur das Hier und Jetzt zu reflektieren. Lesen schließt die Seele auf.

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