Heldentod und Zeitenwende: Mythologisch-literarische Anmerkungen zum Ende des Ersten Weltkriegs

Und dann war es endlich vorbei. Um 12 Uhr ertönte an allen Frontabschnitten, an denen noch gekämpft worden war, ein Trompetensignal, und die Waffen schwiegen. Man schrieb den 11. November 1918. Der Erste Weltkrieg war nach vier Jahren Dauer mit einem Waffenstillstand zu Ende gegangen, auch wenn es bis zum Abschluss von Friedensverträgen noch ein weiter Weg sein sollte. Ungefähr 65,8 Millionen Soldaten hatten in Belgien und Frankreich, in Ostpreußen, Galizien, Rußland, auf dem Balkan, in Norditalien, in Mesopotamien, Palästina und auf der Arabischen Halbinsel gekämpft, aber auch in deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien. Auf der einen Seite standen die Mächte der Entente, d. h. Frankeich, England und Russland, sowie Italien, Japan und weitere Verbündete, nicht zu vergessen Truppen aus den französischen und britischen Kolonien, aus Kanada, Australien und Neuseeland, und 1917 auch die USA. Ihnen gegenüber standen die so genannten Mittelmächte Deutschland und die multinationale Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, denen sich bald das Osmanische Reich anschloss, das außer der Türkei und Albanien den ganzen Nahen und Mittleren Osten umfasste, sowie Verbündete. Bilanz: rund zehn Millionen Gefallene und 15 bis 21 Millionen dauerhaft duch Verletzungen Geschädigte.

Die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ hat ihn 1979 der US-amerikanische Historiker George F. Kennan aus der Rückschau genannt. Denn das, was später kam, auch die Nazidiktatur mit ihrer mörderischen Unterdrückungs- und Ausrottungspolitik und der von ihr angezettelte Zweite Weltkrieg, die 50 Millionen Kriegstoten und die sechs Millionen ermordeter Juden, all das ist nicht verständlich ohne den Ersten Weltkrieg. Mit diesem endete das „lange 19. Jahrhundert“, wie es der britische Historiker Eric Hobsbawm genannt hat, eine Periode des Glaubens an einen linearen Fortschritt, wie ihn zumindest das Bürgertum hegte und auf den die Arbeiter hofften. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Landkarten neu gezeichnet. Zerfallen waren der österreichisch-ungarische Vielvölkerstaat, das Osmanische Reich und das russsische Zarenreich. Der deutsche Kaiser dankte ab. Die Novemberrevolution endete letztlich in einer Art Kompromiss der aus ihr hervorgegangenen Weimarer Republik mit den alten Machteliten, und diese Republik, ohnenhin belastet durch die harten Bedingungen des Friedens von Versailles und die stille – und auch nicht so stille – Gegnerschaft der alten Kräfte in Militär, Wirtschaft und Beamtenapparat, wurde von extrem polarisierten sozialen und politischen Kräften schließlich zerrieben. Polen, Finnland und die baltischen Staaten gewannen eigenständige politische Existenz. Frankreich und England teilten sich die ehemaligen deeutschen Kolonien und die Konkursmasse des Osmanischen Reiches im Nahen und Mittleren Osten, wo sie Staaten unter ihrem Protektorat installierten, die aber der Stabilität ermangelten. Und in Russland etablierte sich nach Revolution und Bürgerkrieg die kommunistische Diktatur der Bolschewiki, der Kommunistischen Partei, die den territorialen Bestand des alten Zarenreiches teilweise gewaltsam wieder herstellten.

Die Vorstellung von der Zeitenwende, vom Ende eines alten und dem Beginn eines neuen Zeitalters, hat letztlich eine mythische Qualität: Sie gehört zum Kernbestand der Mythologien in Eurasien, Nord- und Lateinamerika und Ozeanien. Häufig sind es vier oder fünf einander ablösende Weltzeitalter bzw. Menschengeschlechter, deren Sukzession eine schrittweise Verschlechterung bedeutet – bei manchen Indianervölkern allerdings eine Verbesserung. In der uns immer noch am nächsten stehenden Mythologie, der griechischen, folgt auf das goldene, das silberne und das eherne Geschlech das „herrliche Geschlecht der Heroen, die man halbgöttliche Männer nennt, unsere Vorgänger auf der unenlichen Erde“. So heißt es in Hesiods Dichtung Werke und Tage (159 und 160) aus dem 8. oder 7. Jahrhundert v. Chr., und dieser Weltzeitalter-Mythos war für das mythisch-religiöse Weltbild der Griechen konstitutiv. Das goldene Geschlecht stirbt irgendwann aus, das silberne und das eherne gehen durch eigene Gewaltsamkeit zugrunde, und die Heroen werden in Kriegen ausgelöscht: in den Kämpfen um Theben und im Trojanischen Krieg (Werke und Tage, 121 – 165). Letzterer steht als mythisches Ereignis auch am Beginn der europäischen Literatur. Der zehnjährige Belagerungskrieg der Griechen gegen die kleinasiatische Stadt Troja bildet den Hintergrund der lIias, die eine Episode aus dem vorletzten Kriegsjahr zum Thema hat. Traditioneller Weise wird sie Homer zugeschrieben und zumeist für noch etwas älter gehalten als Hesiods Dichtungen.

Uns trennen heute mehr als 2700 Jahre von ihr. Aber trotz aller zeitlichen Distanz ist sie das paradigmatische Kriegsepos geblieben ob ihrer künstlerischen Vollendung und des unbestechlichen Blicks, den sie auf den Krieg wirft. Der englische Literaturwissenschaftler und Schriftsteller C. S. Lewis schrieb, ein einziger imaginativer Moment sei es gewesen, der ihm rückblickend bedeutender erschien als alles, was er in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs sonst noch erlebte: „Es war die erste Kugel, die ich hörte. […] In jenem Moment empfand ich etwas, das nicht ganz Furcht war, doch noch weniger Gleichgültigkeit: ein kleines, zitterndes Signal, das sagte: ‚Das ist Krieg. Das ist es, worüber Homer schrieb.’“ (Überrascht von Freude, S. 237). Die Ilias zeigt das tief Zwiespältige des Menschen, der entfesselter Gewalt ebenso fähig ist wie des tiefen Mitgefühls mit fremdem Leid. Der Arbeitskreis für Vergleichende Mythologie hat 2015, anläßlich des 200-jährigen Gedenksn der Völkerschlacht von Leipzig, diesem Thema einen Band unter dem Titel Vom Janusgesicht des Menschen gewidmet. Die Ilias macht grundlegende Züge sichtbar, die – wenngleich in unterschiedlichem Maße – in allen Kriegen erkennbar sind. Einige von ihnen treten am Beispiel des Ersten Weltkriegs besonders deutlich hervor.

War der Krieg vermeidbar? Die Frage hat sich seit Troja viele Male gestellt. Anlass des Trojanischen Krieges ist ja bekanntlich die Ver- und Entführung der schönen Helena, der Gemahlin des spartanischen Königs Menelaos, durch den trojanischen Prinzen Paris, woraufhin eine griechische Koalition gegen Troja zu Felde zieht. Aus der Ilias erfahren wir, dass es in Troja durchaus Stimmen gibt, die zur Herausgabe Helenas raten. Aber sie setzen sich nicht durch, und der Krieg bricht aus. Wie die außerhomerische Überlieferung berichtet – und die Ilias widerspricht ihr nicht – hat Zeus den Untergang Trojas beschlossen; letztlich, um die Erde vom Übergewicht der Menschen zu befreien, indem er das Geschlecht der Heroen vernichtet. Dazu hat er eine komplizierte Operation ersonnen, die nicht einmal die übrigen Götter durchschauen, geschweige denn die Heroen, die vor Troja kämpfen. Im Janusgesicht (Beitrag: „Verheertes Gelände“) ist dazu Genaueres ausgeführt. Den Zeitgenossen des Ersten Weltkrieges waren freilich mythische Erklärungen ihrer eigenen Kalamitäten nicht mehr verfügbar. Bis heute haben Historiker keine Einmütigkeit darüber erzielen können, ob er zwangsläufig ausbrechen musste oder ob er bei etwas mehr gutem Willen auf seiten der Hauptkontrahenten hätte abgewendet werden können. Auch über die tiefer liegenden Ursachen herrscht kein Konsens. Fest steht nur, dass alle großen Mächte damit rechneten und sich darauf vorbereiteten, dass irgendwann auf dem Kontinent ein neuer Krieg ausbrechen würde, zwischen Deutschland und Frankreich, zwischen Österreich-Ungarn und Russland. Ob sie oder zumindest einige von ihnen diesen Krieg 1914 haben wollten, ist eine andere Frage.

Am 28. Juni des Jahres 1914 ermordeten serbische Nationalisten im damals zu Österreich gehörenden Sarajevo den österreichischen Thronfolger und seine Gemahlin. Ihre Hintermänner wurden zu Recht im Königreich Serbien vermutet. Österreich-Ungarn stellte Serbien, das seinerseits mit Frankreich verbündet war, ein nahezu unannehmbares Ultimatum, am 28. Juli erklärte es ihm den Krieg. Die Doppelmonarchie war mit dem deutschen Reich verbündet, und dieses stellte ihr gewissermaßen einen Blankoscheck für ihr Vorgehen gegen Serbien aus. Serbien hatte einen solchen von Russland erhalten, das sich gern als Schutzmacht aller slawischen Völker aufwarf, und Russland konnte sich der bedingungslosen Unterstürung durch Frankreich sicher sein. Waren es die komplizierten Mechanismen der Bündnissysteme, die den Krieg auslösten? Oder war letztlich aggressives Dominanzstreben die Ursache? Hauptkandidat hierfür wäre Deutschland. Dieses fiel, nachdem es Russland und Frankreich den Krieg erklärt hatte, in das neutrale Belgien ein, um Frankreichs Armee einzukesseln und entscheidend zu schlagen, bevor Russland seine Truppen mobilisiert haben und ihm einen Zweifrontenkrieg aufzwingen würde. Die deutsche Führung fühlte sich eingekreist durch die Mächte der Gegenseite, und die meisten Deutschen glaubten das auch. Führte also Deutschland gezwungenermaßen einen präventiven Verteidungskrieg? Oder waren die führenden Staatsmänner aller Seiten einfach wie Schlafwandler in den Krieg gestolpert, wie der australisch-britische Historiker Christopher Clark meint, hatten sie die Risiken ihres Handelns unterschätzt, und hatte sowohl zwischen den Bündnissen als auch zwischen den jeweiligen Bündnispartnern zu viel Misstrauen und mangelnde Klarheit geherrscht? Eindeutige Antworten scheint es bis heute nicht zu geben. Der deutsche Plan scheiterte jedenfalls. Russland mobilisierte schneller als gedacht, und Großbritannien reagierte auf den Bruch der belgischen Neutralität damit, dass es ein Expeditionskorps nach Frankreich zur Unterstützung seines Verbündeten schickte.

Fest steht zumindest, dass der Erste Weltkrieg für das Bewusstsein der Nachwelt den Untergang eines Zeitalters bedeutete – wie der Trojanische Krieg für das mythische Bewusstsein der Griechen. Dass vor Troja ein Zeitalter versinkt, ist denen, die diesen Krieg ausfechten, zwar nicht bewusst. Dem Dichter der Ilias aber schon, wenn er im zwölften Gesang in einem Vorgriff sagt, dass vor Troja „das Geschlecht halbgöttlicher Männer“ in den Staub sinken wird (Ilias 12, 23). Den Akteuren des Ersten Weltkriegs, zumindest den geistig Wachen und sensiblen unter ihnen, war es hingegen sehr bewusst, dass sie das gewaltsame Ende einer Ära erlebten. Zeitenwende. Ersehnt, auch gefürchtet, und dann erlitten. Der englische Dichter Rupert Brooke feierte 1914 das Ende des Friedens als Abkehr von einer Welt, die „alt und grau und müde“ geworden sei (zitiert in Anthony Stevens: The Roots of War and Terror, S. 4). Aus der Perspektive des kommunistischen Revolutionärs konstatierte Lenin bei Kriegsausbruch in seinem Züricher Exil: „Der europäische Krieg bedeutet eine gewaltige historische Krise, den Beginn einer neuen Epoche.“ Der deutsche Maler Franz Marc, Mitbegründer der expressionistischen Künstlergruppe „Der blaue Reiter“, notierte 1915, jeder erlebe in diesem Krieg „die heimliche Todesstunde der alten Zeit.“ (Franz Marc: Briefe, Aufzeichnungen, Aphorismen, S. 160). Marc und Brooke waren Freiwillige, die beide den Krieg nicht überlebten. Marcs Kollege Wassily Kandinsky freilich befand: „Ich dachte, dass für den Bau der Zukunft der Platz auf eine andere Art gesäubert wird. Der Preis dieser Art der Säuberung ist entsetzlich.“(zitiert in: Franz Marc: Briefe aus dem Feld 1914-1916, S. 8). Und der britische Maler, Grafiker und Dichter David Jones, auch er ein Kriegsfreiwilliger, schreibt über die Zeit, als der Krieg sich in Schützengräben und Artilleriefeuer festgefahren hatte: „In Bausch und Bogen, soweit ich das feststellen kann, ist die Vergangenheit im Eimer.“ Erstmals seit 43 Jahren führten die großen europäischen Mächte Krieg gegeneinander, und erstmals seit 99 Jahren einen lang andauernden. Man hat die Kriege im Gefolge der Französischen Revolution, die 1792 begannen und 1815 mit Napoleons Niederlage endeten, zusammenfassend als einen ersten Weltkrieg bezeichnet – sie waren mit Massenheeren in Europa sowie in freilich viel geringerem Maße in Afrika, Asien und Amerika ausgetragen worden.

Der Erste Weltkrieg aber sollte der erste totale Krieg werden. Er wurde sozusagen industriell geführt, wobei Deutschland eine Vorreiterrolle zukam. Nach dem Scheitern einer schnellen Entscheidung im Westen – und das war die entscheidende Front, auch im Vergleich zu den Kriegsschauplätzen in Ostpreußen, Polen, Russland oder auf dem Balkan –, fuhr sich der Krieg fest. Beide Seiten gruben sich ein, und die Grabensysteme und Stacheldrahtverhaue, die die Front bildeten, zogen sich vom Ärmelkanal im Norden bis zur Schweizer Grenze im Süden. Der Krieg wurde zum Stellungs- und Abnutzungskrieg. Lang andauernder massiver Artilleriebeschuss, zum ersten Male mit voller Wucht ausgeführt vom deutschen Heer bei der etwa fünfmonatigen Belagerung von Verdun im Jahre 2016, ohne dass die Einnahme dieser Festung gelang, Giftgas, Flammenwerfer, Maschinengewehre, Minen, Granaten jeder Art – das sollte kennzeichnend werden für diesen Krieg. Romane und Erinnerungsbücher, etwa Erich Maria Remarques Im Westen nichts Neues, Ernst Jüngers In Stahlgewittern oder Robert (von Ranke) Graves‘ Good-bye to all That (deutsche Ausgabe: „Strich drunter!“) legen, bei allen Unterschieden und Gegensätzlichkeiten, davon eindrückliches Zeugnis ab. Anonymes Töten und Sterben in einem von der Maschinerie bestimmten Geschehen scheint jeden Gedanken an individuellen Heroismus zu verbieten und sehr, sehr weit weg von der Welt der Ilias zu sein, in der Pfeil und Bogen und Wurfspeere die einzigen Distanzwaffen sind und in der der Fokus oft genug der Fokus auf den Zweikämpfen liegt, die die Protagonisten vor den Heerhaufen ausfechten. Homer schildert das mit oft schwer ertäglichem Realismus. Da ist die Rede von Speerstichen, die den Schädel und das Hirn durchbohren, von herausplatzendem Gedärm, Blut und Leichen. Streitwagen fahren über tote Körper, und streunende Hunde fressen unbestattete Gefallene.

Im Ersten Weltkrieg waren es Ratten, die sich an den Leichen förmlich mästeten. Auch den Kampf Mann gegen Mann mitt Bajonetten, Gewehrkolben, angeschliffenen Feldspaten oder Messern, etwa beim Erstürmen eines feindlichen Grabens, hat es in diesem Krieg gegeben. Und auf der anderen Seite gab es zumindest im ersten Kriegsjahr unbegreiflich zivile Gesten – eine Art inoffiziellen Waffenstillstand zu Weihnachten an etlichen Frontabschnitten im Westen, wo sich die Gegner sogar im Niemandsland oder in den Gräben besuchten und kleine Geschenke austauschten. Man ist unwillkürlich an die Szene im 6. Gesang der Ilias erinnert, in der der Grieche Diomedes und der auf trojanischer Seite kämpfende Lykier Glaukos aufeinandertreffen. In Rede und Gegenrede stellen sie fest, dass ihre Vorväter Gastfreunde waren. Gastfreundschaft ist in der antiken Welt etwas Heiliges. Diomedes und Glaukos tauschen ihre Rüstungen, damit sie einander auf dem Schlachtfeld erkennen und einander aus dem Wege gehen können. Zu Weihnachten 1914 erklärten sächsische Soldaten ihren englischen Gegnern, sie wollten künftig nicht mehr auf Mann, sondern in die Luft schießen, wenn die Engländer es auch so halten wollten … Enklaven der Menschlichkeit inmitten eines inhumenen Geschehens.

Die Realität des Tötens hat sich im Grundsätzlichen nicht geändert. Homer hat sie so gut, so objektiv und mit spürbarer Anteilnahme für beide Seiten geschildert, dass die französische Philosophin Simone Weil 1940 die Ilias das „Poem der Gewalt“ nennen konnte, die sie im Zentrum der menschlichen Geschichte ausdmachte. Ein erschreckender Befund, aber angesichts unserer Gegenwart ist es schwer, ihm auszuweichen. Was man sagen kann, ist, dass die geborenen Krieger, wie sie die Hauptrollen in der Ilias spielen und für die der Kampf, das Töten und Getötet-Werden eine natürliche Gegebenheit sind, sich offenbar in der Minderheit befinden. Auf zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung hat sie der amerikanische Militärpsychologe David Grossman geschätzt, der selbst als Fallschirmjäger gedient hat. Die Zahl mag in anderen Ländern anders liegen, aber die Erkenntnis ist grundsätzlich verallgemeinerbar. Ernst Jünger, dem man eine nahezu pathologische Tapferkeit bescheinigt hat, äußert sich ähnlich, ohne eine Zahl zu nennen. Er selbst war mit Sicherheit ein Krieger, und hat sich in seiner Jugend in den Dienst eines aggressiven Nationalismus gestellt. In der Ausgabe letzter Hand seiner Stahlgewitter schreibt er freilich auch von der ihn bis in die Träume verfolgenden Trauer angesichts eines jungen Engländers, den er im Kampf getötet hatte. Gewalt, Töten, Krieg: ungelöste Probleme bis heute. Vielleicht unlösbare. Aber das entbindet uns nicht davon, nach Lösungen zu suchen.

Beitrag von Christoph Sorger

 

Literaturhinweise:

Christopher Clark: Die Schlafwandler. Übersetzt von Norbert Juraschitz. Pantheon: München 2015.

Günter Gentsch, Christoph Sorger, Reiner Tetzner (Hrsg.): Vom Janusgesicht des Menschen. Texte zu Krieg und Frieden von der Antike bis zur Gegenwart. edition vulcanus: Leipzig 2014.

Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich: Deutschland im Ersten Weltkrieg. Fischer: Frankfurt am Main 2013.

Hesiod: Werke und Tage. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger. Reclam: Stuttgart 1996.

Homer: Ilias. Übersetzt und herausgegeben von Roland Hampe. Reclam: Stuttgart 1979.

Ernst Jünger: In Stahlgewittern. Klett: Stuttgart 1961

Herfried Münkler: Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918. Rowohlt: Berlin 2014

Simone Weil: Krieg und Gewalt. Essays und Aufzeichnungen. Übersetzt von Thomas Laugstien. Diaphanes: Zürich 2011

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