Person und Mythos – Die heilige Elisabeth von Thüringen

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Dies ist die Lebensbeschreibung und die Legende der gottseligen St. Elisabeth, der Tochter des edlen Königs von Ungarn, die nach Gottes Willen und Fügung mit dem edlen Fürsten Landgraf Ludwig von Thüringen vermählt wurde.” (Leben und Legende, S. 7)

Mit diesen Worten beginnt der Dominikaner Dietrich von Apolda (vermutlich 1230-1302) seine Vita, welche zwischen 1289 und 1291 entstand: die Vita der heiligen Elisabeth von Thüringen. Diese schillernde Gestalt des Mittelalters, heilige Landespatronin von Thüringen und Hessen, erfährt hier eine Aufarbeitung im Sinne von “Leben und Legende”: neben den Fakten finden sich viel Erzählstoff und Geschichten um die Person Elisabeth von Thüringen, die zur Bildung eines unverkennbaren Mythos führten.

Sie ist vieles, u. a. die verklärte Heilige, deren Person von Klerus und Kirche konstruiert wurde und auf deren Grundstein ihre Geschichte überdauerte. Schaut man jedoch hinter diese aufgebaute Fassade, sieht man eine Frau, die ihre Überzeugungen verteidigte und einem anderen Weg folgen wollte, als jener, der ihr von Gott gegeben zu sein schien.

Ich bin erst kürzlich auf der Wartburg gewesen, auf der ihr Mythos noch heute lebendig gehalten wird – eine solche Persönlichkeit zieht eben die Touristen an. Obwohl von hohem Stand, widmete sie ihr Leben Gott und ihren Besitz dem Armutsideal ihrer Zeit, was zu steten Konflikten mit den umliegenden Adligen, ihrer eigenen Familie und schließlich dem Verlust ihres Lebens führte.

Die Wartburg in Eisenach

Nicht nur in Elisabeths Fall ist es schwer, erdichtete Heilige und historische Person zu trennen, da viele Informationen über ihr Leben auf jenen Heiligenviten basiert. Der Mythos verschleiert oft die Wurzel, das Eigentliche. Ist man jedoch sowohl mit den gesellschaftlichen als auch religiösen Gepflogenheiten ihrer Zeit vertraut und sieht auf die wenigen Berichte der Zeitzeugen, so kann man den Unterschied zumindest erahnen.

In einer Zeit, in der Frauen ihre Identität vom Status ihrer männlichen Vormunde diktiert bekamen, erklärt Dietrich von Apolda uns in diesen ersten, genannten Sätzen bereits, wer Elisabeth von Thüringen in ihren Grundzügen ist. Zumindest nach mittelalterlichen Maßstäben.

Sie wurde 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und dessen Frau Gertrud von Andechs geboren, und stammte somit aus den höchsten Adelskreisen Europas. Bereits als Kleinkind wurde sie der Dynastie der Ludowinger in der Landgrafschaft Thüringen versprochen, eine Verbindung, die vermutlich dem Hause Andechs-Meranien und besonders ihrer Mutter zusagte – von Letzterer meint Dietrich sie „verstand gute Absichten durchzusetzen, denn sie besaß in ihrem weiblichen Körper einen männlichen Sinn und regelte alle Angelegenheiten des Königreiches.” (Leben und Legende, S. 11)

Der zweite Vormund, den Dietrich von Apolda erwähnt, ist Elisabeths Ehemann Ludwig IV. von Thüringen, den sie schließlich heiraten sollte. Für die Menschen ihrer Zeit wäre die Person Elisabeth von Thüringen somit ausreichend erklärt gewesen, aber sie selbst sorgte dafür, dass sie nicht nur wegen Herkunft und Ehepolitik in Erinnerung bleiben würde.

Im Detail beschreibt Dietrich, wie die vierjährige Elisabeth samt Geleit und einer sehr reichlichen Mitgift im Jahr 1211 auf die lange Reise nach Thüringen geschickt wird und lässt sich schließlich zu der Aussage hinreißen: „Kurz gesagt, sie schickte so viel, daß man so schöne, kostbare und erlesene Schätze, wie die Königin ihrer Tochter mitgab, niemals nach Thüringen gebracht, noch jemals dort erblickt hatte.” (Leben und Legende, S. 11). Er deutet dabei an, Elisabeth wäre im Bezug auf Reichtum unter ihrem Stand verlobt worden. Zwar war sie eine Königstochter, doch die Landgrafschaft Thüringen gehörte damals zu einem der mächtigsten und wohlhabendsten Häuser deutscher Lande.

Sie wurde am Hof ihres Zukünftigen erzogen, was zu ihrer Zeit gängige Praxis war. Es ist wahrscheinlich, dass Elisabeth mit dem früh verstorbenen Erstgeborenen Hermann verheiratet werden sollte, nach dessen Tod 1216 jedoch dem nächstjüngeren Sohn anverlobt wurde. Wie es in Heiligenviten üblich ist, soll Elisabeth bereits als Kind äußerst fromm, intelligent und gutherzig gewesen sein.

„Selbst bei den Kinderspielen richtete sie die Hoffnung zu Gewinnen auf Gott, denn sie schenkte von ihrem Gewinn stets den zehnten Teil armen Kindern und nötigte sie zugleich, ein Paternoster und ein Ave Maria zu beten.” (Leben und Legende, S. 12)

Kinder hätten laut Dietrich gesehen, wie Elisabeth von Jesus Christus besucht wurde. Das Fundament ihrer Heiligkeit wurde frühzeitig gelegt, doch die Besuche durch Heilige und Christus sollen ihr Leben lang angehalten und somit die Richtigkeit ihres Werdeganges belegt haben. An einem Hof, der seinerzeit als kultiviertes Zentrum von Dichtkunst und Minne galt, und wo man die damit verbundenen “Ausschweifungen” von Farben, Festen und Finesse schätzte, lehnte Elisabeth dieses wohl schon frühzeitig ab.

Nachdem ihre Mutter aus machtpolitischen Gründen während der längerfristigen Abwesenheit ihres Mannes 1213 ermordet wurde, blieb der zweite Teil der versprochenen Mitgift aus. Dies ließ man das Mädchen wohl in den nächsten Jahren deutlich spüren, auch von einem Zurückschicken der Braut soll die Rede gewesen sein. Dass sie lediglich ein Pfand und Geldwert in den Ränkespielen der Mächtigen war, das begriff die Königstochter sicherlich schnell. In den Legenden und der Vita erscheint es jedoch so, als hätte man sie wegen ihrer ungewöhnlichen Lebensart zurückschicken wollen.

Als besonders ungnädig beschreibt Dietrich von Apolda auch die zukünftige Schwiegermutter Sophia, welche die junge Braut nach Strich und Faden getadelt und kritisiert haben soll. Ebenso wie die kategorische Ablehnung ihrer Frömmigkeit wegen, so gehört wohl diese Antagonistenrolle in das Reich der überspitzten Heiligenlegenden. Elisabeth sollte nach ihr Landgräfin werde und eine gewisse Besorgnis, die Sophia in Anbetracht der Verweigerung Elisabeths gegenüber höfischen Lebens und dynastischer Repräsentation gezeigt haben mag, wäre verständlich.

Aus der Perspektive mittelalterlicher Religiosität kann man sich keine besseren, lobenswerteren Anlagen wünschen. Dies wird in den Geschichten, auf denen ihr Mythos beruht, überdeutlich. In ihrem weltlichen Leben war das Größte, das sie erhoffen konnte, die Anleitung und der Vorstand des Haushaltes und eine Rolle als schmückendes Beiwerk. Ihr Unwillen, diese Rolle einzunehmen, war höchst problematisch.

Doch allen realen oder angedichteten Intrigen zum Trotz, waren Ludwig und Elisabeth das “Traumpaar des deutschen Mittelalters”, wie sie oft bezeichnet werden. Sie liebten einander wirklich, darin stimmen sowohl Heiligenvita als auch historische Quellen überein. Ihre Ehe muss so viel glücklicher als die allgemeine Adligenheirat gewesen sein, dass sie schon geradezu als unorthodox angesehen wurde. Ihr entsprangen drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter.

Sie verbrachten ungewöhnlich viel Zeit miteinander und interessanterweise verurteilte Ludwig ihr Streben nach einem gottgefälligen Leben nie. So ermöglichte er ihr, dass sie karitative Tätigkeiten weitgehend ungestört verrichten konnte. Lediglich ihren Hang zu übertriebener Selbstgeißelung, die ihre Gesundheit gefährdeten, versuchte er im Rahmen zu halten. Sie neigte sogar dazu, sich nachts von ihren Hofdamen zum Gebet aufwecken zu lassen, indem diese an ihrem Zeh zogen.

„Dabei geschah es aus Versehen, daß die ehrbare Isentrut nach den Zehen des Fürsten faßte und ihn aus dem Schlaf weckte. Er begriff sogleich, daß dies mit ihrer Andacht zusammenhing, und schwieg geduldig dazu.” (Leben und Legende, S. 21)

Diese Episode ist im Detail so humoristisch und einzigartig, dass sie vermutlich wirklich stattgefunden hat. Es spricht für Ludwigs freundlichen Charakter und Liebe zu seiner Frau, dass er in dieser Situation auf solch gelassene Art reagierte.

In den Jahren ihrer Ehe trat die wichtigste männliche Gestalt neben ihrem Ehemann in ihr Leben – Konrad von Marburg, welcher vom Papst in deutschen Landen zum Überprüfen des Ordensklerus eingesetzt worden war. Dieser erfüllte ihren Wunsch nach Anleitung und Unterricht in theologischen Dingen, welche den einer gewöhnlichen Adligen überstieg.

Von Anfang an nahm Konrad von Marburg eine Stellung in Elisabeths Leben ein, die mit der ihres Ehemanns ins Gehege hätte kommen müssen. Dieser befürwortete die enge Beziehung seiner jungen Frau zu ihrem Beichtvater jedoch. In seinem Beisein legte sie ein Gelöbnis ab, ihrem geistlichen Vormund in allen Fällen zu gehorchen, solange dies nicht den Ansprüchen des Landgrafen entgegenwirkte. Sollte Ludwig jedoch sterben, so stünde sie unter seiner uneingeschränkten Kontrolle. Warum Ludwig eine solche Einmischung Konrads duldete oder förderte, ist nicht bekannt.

Sie sollte jedoch Elisabeths weiteres Leben maßgeblich bestimmen. Als Ludwig 1227 zum fünften Kreuzzug aufbrach, kam er lediglich bis Otranto, Italien, wo er vermutlich an Malaria erkrankte und starb. Als die Nachricht Elisabeth erreichte, nahm sie diese voller Trauer auf, mehr denn je darin bestärkt, ihr Leben von der Welt abzuwenden und sich ganz der Verwirklichung ihres asketischen Lebensplanes zu widmen.

Ludwig zieht auf den Kreuzzug – der Abschied der Eheleute soll herzzerreißend gewesen sein.

Es brach eine Zeit der Unsicherheit und Streitereien an. Ein regelrechtes Tauziehen um die frisch verwitwete Landgräfin begann – auf der einen Seite Konrad von Marburg, auf der anderen die Verwandten und Hofbeamten. Diese fürchteten den übergroßen Einfluss Konrads auf die Landgräfin, die schon oft zuvor Güter und Gelder in großem Stil an die Armen verteilt hatte. Die Gefahr bestand jedoch nicht nur in materiellem Verlust, sondern auch in der damit einhergehenden Befugnis über den ältesten Sohn des verstorbenen Landgrafen. In kürzester Zeit eskalierten die schwelenden Konflikte.

Elisabeths Schwager, der an der Stelle seiner unmündigen Neffen die Herrschaft übernommen hatte, entzog ihr das Verfügungsrecht über Ländereien und Güter. Man versuchte, Elisabeth innerhalb der Familie unterzubringen, während ihr Beichtvater sie von ihr zu isolieren suchte. Er brachte sie schließlich dazu, ihren Kindern, Freundes- und Familienbanden abzuschwören und ihr Leben ganz in den Dienst seiner Leitung zu stellen. Elisabeth, die dabei die ganze Zeit über zwischen den Fronten gestanden hatte, tat dies vielleicht, um einer weiteren Hochzeit zu entgehen, mit der sie von ihren Verwandten bestürmt wurde.

Konrad von Marburg erreichte schließlich, dass, obwohl ihr die Witwengüter verweigert wurden, eine beträchtliche Summe gezahlt und einige Ländereien um Marburg an der Lahn an Elisabeth gingen, die sie zum Unterhalt eines dort gegründeten Hospitals nutzte. Elisabeths Verwandte hatten den Kampf um sie weitgehend aufgegeben und Elisabeth überließ sich Konrads Kontrolle. Diesen Abschnitt ihres Lebens, so verheerend er für Elisabeths Seelenwelt möglicherweise gewesen sein mag, beschreibt Dietrich von Apolda in seiner Vita als durchaus positiv – die klare Feindesrolle wird Elisabeths Familie zugedacht, während Konrad von Marburg in den höchsten Tönen gelobt wird.

„Der gottergebene Priester Meister Konrad bemerkte, daß die Gottesdienerin St. Elisabeth zum Gipfel der höchsten Vollkommenheit emporstrebte. Er entzog ihr deshalb alles, was sie von ihrem Vorsatz hätte abbringen können, und ließ ihr zukommen, was sie darin bestärken sollte. So schickte er ihr ganzes Gesinde…fort; danach auch die ehrbare Frau Isentrut, an der sie mit inniger Liebe hing; […] Der fromme Prieste nahm Gottest Dienerin jede Gemeinschaft mit Menschen und deren Trost, damit die Beständigkeit ihres Gehorsams und ihres Willens, Gott allein zu dienen, offenbart wurden.“ (Leben und Legende, S. 69-70)

Die Beziehung zu Konrad von Marburg kann nur als höchst ungesund, wenn nicht sogar toxisch bezeichnet werden. Auf der einen Seite bestärkte und forderte er immer größere Aufopferung und Aufgabe all dessen, was sie an ihr früheres Leben erinnern könnte – offenbar fürchtete er einen „Rückfall“ und jede “Verfehlung” wurde durch Schläge mit Ruten gegeißelt. Auf der anderen versuchte er, sie von der übermäßigen Ausgabe finanzieller Mittel an Arme abzuhalten. Die Summe, die er mit Elisabeths Verwandten ausgehandelt hatte und die für die Instandhaltung des Hospitals sorgte, war ebenso sein eigenes Einkommen. Daher war ihm gar nicht daran gelegen, dass seine „junge Untergebene“ ihr ganzes Hab und Gut weggab, wie sie es sich eigentlich wünschte.

Die Vita nimmt auch das als gerechtfertigt, ja, positiv und Opfer auf ihrem Weg zur Gottgefälligkeit hin:

„Als Meister Konrad davon erfuhr, verbot er ihr jedes weitere Almosengeben, weil sie sonst überhaupt nichts behalten hätte, und gab ihr einige strenge Frauen zur Seite, die ihr hart zusetzten.” (Leben und Legende, S. 78)

Er ließ sie Tag und Nacht überwachen, Strafen wurden zunehmend härter und über jede Tat und Atemzug bestimmte er selbst. Dass sein Hauptaugenmerk auf den finanziellen Mitteln lag, sagt viel über seine eigenen Interessen aus. In Elisabeth hatte er ein williges, bedeutendes Instrument gefunden, das sein Überleben und seine Berühmtheit mehrte und das nur sehr selten dagegen aufbegehrte.

Ihre letzten Jahre verbrachte sie in Askese und mit täglicher harter Arbeit im Hospital. Die körperlichen Entbehrungen und der psychische Druck forderten jedoch bald ihren Tribut. Mit nur 24 Jahren starb Elisabeth in Marburg an der Lahn im Jahre 1231. Die denkbare Ursache ist körperliche Erschöpfung und Auszehrung, gefolgt von kurzer Krankheit.

Die allgemeine Anteilnahme war überwältigend und ihre Heiligsprechung gilt als eine der schnellsten überhaupt. Bereits kurz nach ihrer Beisetzung verbreiteten sich Berichte von wundersamen Heilungen durch Berühren ihres aufgebahrten Leichnams, Gebeten an ihrem Grab. Diese nötigen Wunder brachte Konrad von Marburg in dem Heiligsprechungsverfahren ein, das er bis zu seinem gewaltsamen Tod 1233 unterstützte. Insgesamt sollen es wohl 105 Wunder gewesen sein, die Elisabeth vor und nach ihrem Tod vollbracht hatte und 1235 wurde sie in das Heiligenregister aufgenommen.

Der Mythos und sein Ursprung, beides wurde von anderen bestimmt. Niemals hätte Elisabeth ihr Leben auf solche Art gestalten könne, hätte es ihr Gemahl nicht geduldet. Ohne die Vorherrschaft des Konrad von Marburg hätte sie ihre letzten Jahre vielleicht anders verbracht oder hätte sogar noch einmal geheiratet. Ihre Geschichte ist einzigartig und beeindruckte Menschen damals wie heute derart, dass sie wohl die populärste Heilige des deutschen Sprachraumes ist.

Wie viel von Elisabeths Geschichte ist nun Mythos und wie viel ihre eigentliche Person? Vielleicht kann man sich darauf einigen, dass das eine ohne das andere nicht existieren und deshalb nicht voneinander getrennt werden kann. Ihre persönlichen Gefühle und Gedanken sind uns ebenso wenig bekannt, wie die ihres Ehemannes oder Konrad von Marburgs. Ihre Geschichten, die wir lesen, wurden zu einem Zweck geschrieben und man kann die eigentliche Person, den Menschen aus Fleisch und Blut dahinter nur erahnen.

Dass sie jedoch ein einzigartiges Leben führte, sich den gängigen Konventionen widersetzte, das ist gewiss. Sie besaß den Schneid, ihren Platz anzuzweifeln, der ihr in den Augen ihrer Mitmenschen von Gott gegeben war. Sie führte eine ungewöhnlich glückliche Ehe mit einem Mann, der sie offensichtlich in ihren Entscheidungen bedingungslos unterstützte; vielleicht schwieg er aber auch nur aus Liebe zu ihr und duldete eher, als zu unterstützen. Vielleicht war sie Konrad von Marburgs willige Dienerin, vielleicht erkannte sie aber auch, dass sie sich in etwas hineinmanövriert hatte, das außer Kontrolle geraten war.

Sie ertrug und duldete sehr viel in ihrem Leben, wobei sie dieses nie wirklich so gestalten konnte, wie sie es eigentlich wünschte. Das ist vielleicht die einzige Tatsache, die unumstößlich wahr ist.

Ein Beitrag von Pia Stöger.

Literaturhinweis:

Rainer Kößling. Leben und Legende der heiligen Elisabeth. Mit 14 Miniaturen der Handschrift von 1481 / nach Dietrich von Apolda. Frankfurt am Main: Insel-Verlag 2007.

Tierwesen: Über eine mythisch-cineastische Beziehung

Es ist wieder soweit! In den Kinos flimmern zum zweiten Mal die „Phantastischen Tierwesen“ der britischen Autorin und „Mutter von Harry Potter“, Joanne K. Rowling, über die Leinwand und begeistern große und kleine Zauberer und Hexen, sorry, Zuschauer, natürlich. Da gibt es den süßen Niffler, eine Art bepelztes Schnabeltier mit körpereigenem Kängurubeutel, in den er alle glitzernden und glänzenden Sachen stopft (vorzugsweise Münzen, Goldbarren und Schmuck), die er in seine Pfötchen bekommt. Ebenfalls mit von der Partie ist der Bowtruckle Pickett, der Ähnlichkeit mit einem grünen Miniatur-Baum-Insekt aufweist. Auf Bäumen lebt seine Art denn auch, bevorzugt in solchen, die sich für die Herstellung von Zauberstäben eignen. Von Bowtrucklen weiß man, dass sie aufgrund ihrer Größe gut Schlösser knacken können. Exemplare wie Pickett entwickeln zudem eine relativ große Anhänglichkeit für ihre Beschützer und reagieren entsprechend vergnatzt, wenn man sie für scheinbar unlautere Pläne einspannen will. So geschehen im ersten Teil der „Phantastischen Tierwesen“, als Pickett an den gierigen Kobold Gnarlak gegen wichtige Informationen verkauft werden soll. Natürlich nur zum Schein. Streit vorprogrammiert.

Weitere Tiere (in Auswahl), die die meiste Zeit über im Koffer des Zauberers Newt Scamander (seines Zeichens Autor eines Buches über magische Geschöpfe) leben, hören auf Namen wie Graphorn, Occamy, Knuddelmuff und Murtlap. Einer meiner persönlichen Lieblinge ist allerdings der Böse Sturzfalter, ein Tierwesen, das Reptil und Insekt in sich vereint. Passenderweise bewirkt sein Gift das Vergessen von unschönen, leider aber auch schönen Erinnerungen. Wenn man sich denn daran erinnert. Sturzfalter ernähren sich bevorzugt von menschlichen Gehirnen. Stolpert man also zufällig über seinen recht unscheinbar wirkenden Kokon, bitte nicht berühren, denn einmal geweckt und im Flug begriffen, kann der Böse Sturzfalter eine beachtliche Größe annehmen.

„Tierwesen: Über eine mythisch-cineastische Beziehung“ weiterlesen